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Schweiz/Ausland
03.08.2026

Durchzug oder Klimaanlage? Wie Europa kühlt

Während Südeuropa fest auf Klimageräte setzt, spaltet die künstliche Kälte in der Schweiz die Gemüter.
Während Südeuropa fest auf Klimageräte setzt, spaltet die künstliche Kälte in der Schweiz die Gemüter. Bild: Pixabay
Fenster aufreissen, Durchzug machen und die Rollläden dicht: Während man in der Schweiz und in Deutschland auf traditionelle Kühlmethoden setzt, gehört die Klimaanlage im Süden längst zum Alltag. Eine neue Umfrage offenbart nicht nur kulturelle Unterschiede im Umgang mit der Hitze, sondern auch ein Schweizer Dilemma zwischen Hitzewelle und grünem Gewissen.

Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, hat jedes Land seine eigenen Rezepte gegen den Hitzestau in den eigenen vier Wänden. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Onlinehändlers Galaxus unter mehr als 2600 Personen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien.

Schweiz ist Europameister im Schatten-Kühlen

Besonders diszipliniert zeigt sich die Bevölkerung in der Schweiz: Vier von fünf Befragten setzen auf das klassische Rezept aus frühmorgendlichem Lüften und tagsüber geschlossenen Fenstern. Zwei Drittel nutzen zudem konsequent Rollläden, Jalousien oder Markisen – beides sind absolute Spitzenwerte im Fünf-Länder-Vergleich.

Fest verbaute Klimaanlagen sucht man im deutschsprachigen Raum dagegen fast vergebens: Nur in jedem zwanzigsten Haushalt in der Schweiz und in Deutschland ist eine solche Anlage zu finden. Ganz anders präsentiert sich das Bild in Italien: Dort gehört die Klimaanlage für die Hälfte der Befragten fest zum Wohnstandard. Selbst bei Ventilatoren zeigen sich die Schweizerinnen und Schweizer zurückhaltend: Nur ein Drittel nutzt die Windmacher, während in den Nachbarländern rund die Hälfte darauf schwört.

Das grüne Gewissen als Bremse

Dass man hierzulande auf die elektrische Abkühlung verzichtet, ist selten eine Frage des Geldes. Während in Frankreich und Deutschland vier von zehn Befragten die Anschaffungskosten scheuen, ist es in der Schweiz vor allem das ökologische Gewissen: Mehr als jede dritte Person verzichtet aus Umweltbedenken auf eine Klimaanlage – der höchste Wert in der gesamten Umfrage. Nur jede fünfte Person in der Schweiz hält Klimageräte in Wohnräumen für ökologisch vertretbar.

Daraus entsteht ein spürbarer Zielkonflikt: Einerseits halten vier von zehn Schweizerinnen und Schweizern Klimaanlagen angesichts der immer hotteren Sommer für zunehmend notwendig. Andererseits lehnt fast die Hälfte die Geräte aus Umweltgründen ab. In Deutschland sorgt man sich derweil vor allem um die kommende Stromrechnung, während in Italien ökologische Bedenken kaum eine Rolle spielen.

Schlaflose Nächte und hitzefeste Italiener

Wenn die Hitze nach Sonnenuntergang im Schlafzimmer steht, greift Europa zu unterschiedlichen Mitteln. Zwei von drei Menschen in der Schweiz und Deutschland lassen nachts das Fenster offen und wechseln auf leichtere Bettwäsche. In Italien läuft hingegen bei vier von zehn Personen vor oder während des Schlafens die Klimaanlage. Auch beim Nacktschlafen zeigen sich Unterschiede: Während in Frankreich und Österreich etwa ein Drittel hüllenlos schläft, ist es in der Schweiz, Deutschland und Italien nur jede vierte Person.

Spannend ist auch die individuelle Schmerzgrenze: In vier von fünf Ländern wird es den Menschen ab 26 bis 27 Grad Raumtemperatur zu heiss. Einzig die Italienerinnen und Italiener zeigen sich abgebrühter – dort empfindet jede vierte Person die Hitze erst ab 28 bis 29 Grad als störend.

Ob die klassische Lüftungstaktik der Schweiz den künftigen Hitzesommern standhält, bleibt abzuwarten. Der Trend zeigt jedenfalls in eine andere Richtung: Auf Galaxus wurden noch nie so viele Klimageräte gekauft wie im Juni 2026.

Schaffhausen24
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