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Politik
10.06.2025
19.06.2025 17:37 Uhr

Zielgerade Richtung Ständerat: Simon Stocker

Simon Stocker (SP) will wieder zurück nach Bern, um seine Arbeit im Ständerat fortzuführen.
Simon Stocker (SP) will wieder zurück nach Bern, um seine Arbeit im Ständerat fortzuführen. Bild: Sandro Zoller, Schaffhausen24
Die Wahl rückt immer näher. Nur noch knapp drei Wochen bis der nächste Schaffhauser Ständerat feststeht. Vielleicht sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch unentschlossen oder wünschen letzte Informationen, um definitiv für den favorisierten Kandidaten stimmen zu können. Deshalb besteht Teil II unserer Polit-Reihe aus Portraits von Severin Brüngger (FDP) und Simon Stocker (SP) – stets der Mensch und sein Tun im Fokus.

In seiner über 20-jährigen Politkarriere durchlebt Simon Stocker (SP) derzeit eine der bewegendsten Phasen. Nach seiner Wahl zum Ständerat des Kantons Schaffhausen am 19. November 2023 schien der Erfolg zunächst gesichert. Doch das Bundesgericht hob die Wahl im März auf mit der Begründung, Stocker habe zum Zeitpunkt der Abstimmung seinen Lebensmittelpunkt nicht im Kanton gehabt. Zwar lebte er in Schaffhausen, aber seine Frau und sein Sohn waren in Zürich gemeldet. Die Folge: Neuwahlen am 29. Juni. Stocker nahm das Urteil mit Fassung. Er spricht offen über sein modernes Familienmodell, das auf Gleichberechtigung und beruflicher Entfaltung beider Partner beruht. «Es war nie ein Geheimnis, dass wir aus beruflichen Gründen damals zwei Wohnsitze hatten», sagt er. Den Entscheid akzeptiert er, empfindet ihn aber als wenig offen für heutige Lebensrealitäten, in denen Mobilität längst zur Normalität geworden ist. 

Mit dem Urteil wurde die politische Bühne neu aufgestellt. Während das linke Lager sofort mobilisierte, werteten bürgerliche Stimmen den Entscheid als gerechtfertigt und warfen Stocker gar bewusste Irreführung vor. Oft wurde dabei ausgeblendet, dass er in Herblingen aufgewachsen ist, sein politisches Wirken eng mit Schaffhausen verbunden war und er über zwei Jahrzehnte hinweg kommunal und kantonal aktiv blieb. Sein Lebensmittelpunkt lag seit jeher in der Munotstadt.

Alterspolitik zentrales Thema

2003 war er Mitbegründer der AL Schaffhausen, wurde 2007 in den Grossen Stadtrat gewählt und amtete von 2013 bis 2020 als Stadtrat mit dem Ressort Soziales und Sicherheit. Nach dem Zusammenschluss der AL mit der SP setzte er sein Engagement in der grössten linken Partei der Schweiz fort. Seine Schwerpunkte blieben gleich: soziale Gerechtigkeit, Alters- und Gesellschaftspolitik sowie nachhaltige Entwicklung. Die Alterspolitik ist ihm ein zentrales Anliegen. Seit Jahren wirkt Stocker in diesem Bereich, aktuell als Präsident des Spitexverbandes Schaffhausen. Er berät Gemeinden und Kantone zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Versorgung im Alter. Im Vorfeld der Neuwahl war ein Anlass in Neuhausen geplant, bei dem er zu diesen Themen sprechen sollte. Obwohl eingeladen, wurde er später wieder ausgeladen. Die Gründe blieben vage. Stocker kommentierte nüchtern: «Das war schon bedauerlich, aber das gilt es zu respektieren.»

«Die Angriffe sind meist persönlicher Natur.»
Simon Stocker

Angreifbar im Wahlkampf

Trotz aller Turbulenzen bleibt der Rückhalt in der Bevölkerung spürbar. Binnen weniger Stunden nach dem Urteil waren gelb-schwarze Solidaritätsplakate im ganzen Stadtbild sichtbar. Viele hängten sie in ihre Fenster. Für Stocker war das ein bewegender Moment. «Das hat Kraft gegeben. Zu sehen, dass acht Jahre Stadtrat positive Spuren hinterlassen haben, war sehr bestärkend.» Auch sein Wahlkampfteam formierte sich sofort neu und zeigt seither vollen Einsatz.

Im persönlichen Gespräch wirkt Stocker ruhig und reflektiert. Die Kritik, die er derzeit erfährt, ist für ihn nicht neu. «Man macht sich im Wahlkampf angreifbar. Die Angriffe sind meist persönlicher Natur. Wenn ich sage, ich arbeite 70 Prozent, heisst es, ich sei faul. Als ich von meiner damaligen Fernbeziehung sprach, wurde mir gleich etwas unterstellt.» Politische Inhalte hingegen würden selten kritisiert. Auf Anraten seiner Frau meidet er die sozialen Medien. Die Tonalität sei oft verletzend. «Eine gewisse Verrohung ist leider zu spüren.» Besonders unangenehm war eine Episode, bei der ein Aufkleber mit politischem Inhalt an seiner Haustür angebracht wurde. «Ich meldete das der Bundesbehörde. Man kam nicht einfach durch den Hauseingang, da war mir schon etwas mulmig.»

Zuversicht im Stocker-Lager

Als Politiker ist man immer exponiert, sieben Tage, 24 Stunden. «Es ist nicht so, dass ich um 17 Uhr Feierabend habe und dann von der Welt nichts mehr wissen will.» Dennoch bleibt er motiviert. Er ist überzeugt, dass sich in sozialen Themen wie Armut, Alter und Gesundheit viel bewegen lässt, wenn klare Mehrheiten vorhanden sind.  Der Wahlkampf ist offen, doch Stocker bleibt zuversichtlich. Er kennt den Kanton, kennt die Bevölkerung und weiss, wie man Brücken baut. Besonders berühren ihn Unterstützungsbekundungen von Menschen, die sich bisher nie politisch geäussert haben. «Dass mir jemand wie Rosmarie Widmer Gysel Mut zuspricht, zeigt mir, dass meine Arbeit als Politiker geschätzt wird.»

Ronny Bien, Schaffhausen24
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