In seiner über 20-jährigen Politkarriere durchlebt Simon Stocker (SP) derzeit eine der bewegendsten Phasen. Nach seiner Wahl zum Ständerat des Kantons Schaffhausen am 19. November 2023 schien der Erfolg zunächst gesichert. Doch das Bundesgericht hob die Wahl im März auf mit der Begründung, Stocker habe zum Zeitpunkt der Abstimmung seinen Lebensmittelpunkt nicht im Kanton gehabt. Zwar lebte er in Schaffhausen, aber seine Frau und sein Sohn waren in Zürich gemeldet. Die Folge: Neuwahlen am 29. Juni. Stocker nahm das Urteil mit Fassung. Er spricht offen über sein modernes Familienmodell, das auf Gleichberechtigung und beruflicher Entfaltung beider Partner beruht. «Es war nie ein Geheimnis, dass wir aus beruflichen Gründen damals zwei Wohnsitze hatten», sagt er. Den Entscheid akzeptiert er, empfindet ihn aber als wenig offen für heutige Lebensrealitäten, in denen Mobilität längst zur Normalität geworden ist.
Mit dem Urteil wurde die politische Bühne neu aufgestellt. Während das linke Lager sofort mobilisierte, werteten bürgerliche Stimmen den Entscheid als gerechtfertigt und warfen Stocker gar bewusste Irreführung vor. Oft wurde dabei ausgeblendet, dass er in Herblingen aufgewachsen ist, sein politisches Wirken eng mit Schaffhausen verbunden war und er über zwei Jahrzehnte hinweg kommunal und kantonal aktiv blieb. Sein Lebensmittelpunkt lag seit jeher in der Munotstadt.
Alterspolitik zentrales Thema
2003 war er Mitbegründer der AL Schaffhausen, wurde 2007 in den Grossen Stadtrat gewählt und amtete von 2013 bis 2020 als Stadtrat mit dem Ressort Soziales und Sicherheit. Nach dem Zusammenschluss der AL mit der SP setzte er sein Engagement in der grössten linken Partei der Schweiz fort. Seine Schwerpunkte blieben gleich: soziale Gerechtigkeit, Alters- und Gesellschaftspolitik sowie nachhaltige Entwicklung. Die Alterspolitik ist ihm ein zentrales Anliegen. Seit Jahren wirkt Stocker in diesem Bereich, aktuell als Präsident des Spitexverbandes Schaffhausen. Er berät Gemeinden und Kantone zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Versorgung im Alter. Im Vorfeld der Neuwahl war ein Anlass in Neuhausen geplant, bei dem er zu diesen Themen sprechen sollte. Obwohl eingeladen, wurde er später wieder ausgeladen. Die Gründe blieben vage. Stocker kommentierte nüchtern: «Das war schon bedauerlich, aber das gilt es zu respektieren.»