Am 29. Juni wählt das Schaffhauser Stimmvolk seinen zweiten Ständerat. Entweder Simon Stocker von der SP oder Severin Brüngger von der FDP wird künftig neben Hannes Germann (SVP) die Interessen des Kantons in Bern vertreten. Doch wer macht das Rennen? Damit sich die Schaffhauserinnen und Schaffhauser ein Bild der beiden Kandidaten machen können, finden derzeit an verschiedenen Orten öffentliche Polittalks statt, so auch am vergangenen Montagabend im Meetingpoint auf dem Herrenacker. Rund 100 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die Diskussion. Moderiert wurde der Anlass von Philippe Pfiffner, langjähriger Journalist aus der Region Winterthur.
«Die Lösungen liegen doch auf dem Tisch.»
Gleich nach der Vorstellung leitete der Moderator mit wirtschaftspolitischen Themen die Diskussion ein. Er stellte Simon Stocker die Frage, wo er die grössten wirtschaftlichen Herausforderungen für den Kanton Schaffhausen in den kommenden Jahren sehe.
Stocker sprach mehrere Punkte an: «Der Kanton soll grundsätzlich weiterhin wirtschaftlich attraktiv bleiben – auch für Unternehmen. Zudem müssen wir auch die Fachkräfteproblematik entschlossen angehen.» Besonders betonte er die Abhängigkeit von Grenzgängerinnen und Grenzgängern aus Deutschland – ohne sie lasse sich der Bedarf an Arbeitskräften kaum decken. Auch Severin Brüngger stellte den Fachkräftemangel ins Zentrum seiner Antwort. Für ihn müsse Schaffhausen wirtschaftlich flexibel bleiben und qualitativ gute Arbeitsplätze bieten. «Es darf nicht sein, dass man für interessante Stellen nach Zürich pendeln muss», führt der FDP-Kandidat weiter aus.
Philippe Pfiffner griff das Thema auf und fragte nach konkreten Massnahmen auf Bundesebene, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Simon Stocker verwies auf ein strukturelles Problem, das seiner Meinung nach längst bekannt sei: «Die Lösungen liegen auf dem Tisch», erklärt der 44-Jährige. Es gebe unzählige gut ausgebildete Frauen mit universitärem oder fachlichem Abschluss, die jedoch aufgrund der hohen Kinderbetreuungskosten nicht oder nur reduziert arbeiten könnten. «Durch die Kita-Kosten, die wir in der Schweiz haben, sind viele faktisch dazu verdonnert, zuhause zu bleiben», so Stocker. Für ihn ist klar, wenn man den Fachkräftemangel ernsthaft angehen wolle, müsse man die Betreuungskosten so senken, dass mehr Frauen ihre Stellenprozente erhöhen könnten. Auch Severin Brüngger zeigte sich grundsätzlich einverstanden mit dem Ziel, mehr Frauen zurück in den Arbeitsmarkt zu holen, betonte jedoch eine andere politische Herangehensweise. «Ich bin ein grosser Fan von Betreuungsgutscheinen, wie wir sie ab August in der Stadt Schaffhausen einführen werden», erklärte der FDP-Kandidat. Der Kita-Ausbau sei wichtig, aber nicht Aufgabe des Bundes. «Das ist Sache der Kantone und Gemeinden. Föderalismus bedeutet Freiheit, aber auch Verantwortung», führt der Schaffhauser weiter aus. Eine Aussage, die bei mehreren Anwesenden auf Zustimmung stiess. Im Anschluss an die Diskussion rund um Kinderbetreuung wurde eine Zwischenfrage zum Thema einer möglichen Verlängerung der Elternzeit gestellt. Simon Stocker sprach sich klar für eine Verlängerung der Elternzeit, insbesondere für den Vaterschaftsurlaub. Eine gerechtere Aufteilung der Elternzeit zwischen Mutter und Vater sei längst überfällig, betonte der SP-Kandidat und nannte dabei Beispiele wie Deutschland oder Frankreich. Severin Brüngger hingegen stellte das bestehende Modell nicht infrage. «Ich finde es gut, wie es momentan geregelt ist», sagte der FDP-Kandidat. «Ich denke, in den ersten Wochen braucht ein Kind vor allem die Nähe der Mutter.» Zudem stelle sich die Frage der Finanzierung, wer dies bezahle oder kompensiere.