Natürlich ist bei Wahlen das Politprogramm der Kandidaten sehr wichtig. Am Ende des Tages ist es aber die Person dahinter, welche die Interessen des Kantons und dessen Bevölkerung vertreten muss. In klassischer «Bock»-Manier soll auch in diesem Interview der Mensch im Fokus stehen.
«Bock»: Die Ersatzwahl scheint nicht nur eine Sache zwischen zwei Personen zu sein, sondern ein Kräftemessen zwischen Stadt und Land. Seht ihr das genauso?
Severin Brüngger: Ich solle sozusagen das Land und Simon die Stadt vertreten? Ehrlich gesagt, spüre ich das überhaupt nicht so. Den Kanton Schaffhausen sehe ich als eine Einheit. Einen klassischen Stadt-Land-Graben gibt es eigentlich nicht. Aber wenn das so empfunden werden würde, dann müssen wir natürlich diesen Graben zuschütten. Auch wenn Simon in der Stadt sehr stark ist, geht es am Ende des Tages um die Themen.
Simon Stocker: Als Ständerat vertritt man alle Schaffhauserinnen und Schaffhauser. Das Land kenne ich sehr gut aus meinem beruflichen Kontext, die Stadt wiederum durch meine Zeit im Stadtrat. Zudem wohnen wir beide in der Stadt. Gemeinsam mit Ständerat Hannes Germann gilt es, möglichst viel ergänzend abzudecken. Deshalb sehe ich das auch nicht als Stadt-Land-Kampf.
Brüngger: Auch ich kenne die Stadt wie das Land gut. Vier Jahre lang lebte ich in Siblingen, im Klettgau, und habe da weiterhin einige Freunde. Und jetzt wohne ich in der Stadt Schaffhausen.
Die gerichtliche Freistellung von Simon Stocker, aus dem Ständerat, hat für Wellen aber auch Unsicherheit in der Bevölkerung gesorgt. Muss am politischen Prozess etwas angepasst werden?
Stocker: Klar, wenn eine Wahl aberkannt wird, wühlt das die Leute auf. Ich habe stets betont, dass ich den Gerichtsentscheid akzeptiere. Es ist allerdings auch eine Tatsache, dass es verschiedene Lebensrealitäten gibt, in denen – aus welchen Gründen auch immer – Ehepartner getrennte Wohnsitze haben. Ich habe angestossen, ob man sich Gedanken darüber machen soll, die Bundesgesetzgebung an unterschiedliche Lebensformen anzupassen.
Brüngger: Mich selbst betrifft es nicht. Ich sehe mich als progressiven Menschen. Der gerichtliche Entscheid ist meiner Meinung nach ein Einzelfall. Wenn etwas geändert werden soll, dann kann das über einen Vorstoss im Kantonsrat und eine eventuelle Abstimmung der Bevölkerung gemacht werden. Wie sich die Mehrheit der Stimmberechtigten entscheiden würde, weiss ich auch nicht. Als Demokrat würde ich auch den Wunsch nach einer Anpassung akzeptieren und nicht gross dagegen kämpfen. Doch aus meiner Sicht besteht kein Handlungsbedarf.
Schauplatzwechsel: Stocker gegen Brüngger ist auch Fussball gegen Handball. Wie wichtig ist es, dass der Bund, die Kantone und Gemeinden Sportvereine gezielt fördern?
Brüngger: Nach meiner Meinung muss der Breiten- und Spitzensport klar getrennt werden. Der Juniorensport liegt mir sehr am Herzen. Es ist gesellschaftlich wichtig, dass junge Menschen sich bewegen und beispielsweise in die Halle gehen. Im Profisport stecken dahinter Aktiengesellschaften – im Handball gleichermassen wie im Fussball. Da steht nicht der Staat sondern die lokale Wirtschaft in der Verantwortung. Und letztere nimmt diese auch oft wahr. Sportunternehmen haben oft den Anspruch einen Gewinn zu erzielen. Und deshalb gibt es keinen Grund, dass der Bund dafür Geld aufbringen soll. Beim Breitensport finde ich es gut, wenn der Kanton und die Standortgemeinde Unterstützung anbieten. Und dann gibt es private Organisation wie die Sporthilfe. Es ist wichtig, dass die Wirtschaft die Verantwortung erkennt und mithilft den Staat schlank zu halten anstelle sich in den Windschatten zu stellen.
Stocker: Wir sind da wohl ähnlicher Auffassung, dass der Breiten- und Jugendsport – auch im Sinne der Integration und Förderung – unbedingt auf allen Ebenen unterstützt werden muss. Bund, Kantone und Gemeinden leisten dazu auch finanzielle Beiträge für die Sportinfrastruktur. Du bei den Kadetten und ich als alter Bierkürvler, Spielvianer und engagierter Kicker beim FC Kantonsspital – wir haben beide davon profitiert. Gerade beim FCS wünsche ich mir wieder mehr Identifikation und eine lokale Wirtschaft, die dahintersteht.
Brüngger: Bei uns den Kadetten gibt es eine gemeinnützige Stiftung für die BBC Arena, den Profiverein, der eine AG ist, und die Junioren sowie den Breitensport dessen Präsident ich bin. Ein Verein steht in der Pflicht sich ordentlich aufzustellen. So kann auch klar erkannt werden, was nun unterstützt werden kann und wo es wirklich unnötig ist.
Aber genau wegen mangelnder Unterstützung ist der HC Kreuzlingen gezwungen abzusteigen. Schmerzt das nicht?
Brüngger: Clubmanager sind in der Verantwortung richtig zu haushalten. Es wäre ja gegenüber den sauber agierenden Konkurrenten unfair, wenn eine Mannschaft aufgrund von staatlichen Zuschüssen an die besten Spieler gelangt und so den Aufstieg schafft und gar Meister wird. Aber klar, solch ein Abstieg schmerzt dennoch.