Schaffhauser Denkmaltag 2026
Geschichte hautnah am Obertor
Wer am Schaffhauser Obertorturm steht, blickt auf die Schnittstelle zweier Welten. Auf der einen Seite erstreckt sich die geschäftige Altstadt mit ihren stolzen Bürgerhäusern und dicht gepflasterten Gassen, auf der anderen die historische Landstrasse, die einst über die Vordersteig in Richtung Neuhausen führte. Über Jahrhunderte bildete diese Ausfallsachse das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt. Unter dem Motto «Kulturerbe entdecken» lädt die Denkmalpflege dazu ein, die reiche Baukultur entlang dieses historischen Verkehrswegs neu zu erkunden.
Neues Leben für alte Altstadthäuser
Ein zentraler Anlaufpunkt ist das Oberhaus an der Oberstadt 23. Der bedeutende Komplex, dessen Ursprünge auf einen mittelalterlichen Adelssitz zurückgehen, begeistert mit barocker Innenausstattung und idyllischem Innenhof. Nach der offiziellen Eröffnungsfeier um 12.00 Uhr durch Baureferentin Katrin Bernath und Amtsleiterin Flurina Pescatore erhalten Interessierte Einblicke in die anstehenden Sanierungspläne. Die Genossenschaft eins wird das bisherige Verwaltungsgebäude ab 2027 umbauen, um dort eine belebte Mischung aus Wohnen, Kultur und Gastronomie zu realisieren.
Dass Denkmalpflege auch drängende soziale Fragen lösen kann, zeigt das Haus «Zum Weissen Wind». Das schmale Altstadthaus, das über ein Jahrhundert lang die Papeterie Feurer beherbergte, wurde von der Gemeinnützigen Immobilien-Stiftung Schaffhausen saniert und bietet nun bezahlbaren Wohnraum für Studierende und Auszubildende. Ebenfalls im Umbau befindet sich das imposante Häuserpaar «Haus zum Käfig» an der Vorstadt 43, das für die künftige Nutzung durch das städtische Sozialamt hergerichtet wird.
Blicke in die Erde und die Umgebung
Ein Stück weiter bergauf gibt die Kantonsarchäologie beim Steigschulhaus seltene Einblicke in die Vergangenheit. Auf dem Pausenplatz wird derzeit der Friedhof des mittelalterlichen Sondersiechenhauses ausgegraben. Fachleute erklären vor Ort, was die Skelettfunde über Krankheiten und Lebensumstände der damals isolierten Menschen verraten. Gleich nebenan kann die historistische Turnhalle von 1891 besichtigt werden, die künftig als schulische Aula dient.
Das Programm reicht von der artenreichen Parkanlage der Villa Zum Steigeck über den frisch sanierten Kindergarten Vordersteig im Heimatstil bis hin zum Industrie-Erbe im Westflügel der Kammgarnspinnerei, wo die neue Stadtbibliothek eröffnet wird. Selbst im Museumsdepot am Ebnatring wird es spannend, wenn bei Sonderführungen die unkonventionellen Gefahren von Museumsobjekten wie Gifte oder radioaktive Materialien beleuchtet werden.
Informationen zum Besuch
Sämtliche Führungen finden am Samstag zwischen 9.30 und 16.00 Uhr statt. Der zentrale Infostand befindet sich im Oberhaus. Da die Plätze für viele Rundgänge begrenzt sind, wird eine frühzeitige Reservation über die Website kulturerbe-entdecken.ch empfohlen.