Nicht nur konsumieren: kreieren
Die konzentrierte Stille, wenn gelötet und getüftelt wird, ist das Erste, was einen empfängt, wenn die Halle des «go tec!» in Neuhausen betreten wird. Beim diesjährigen Sommercamp bekamen 26 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren die Chance, verschiedene Workshops zu besuchen und der Welt der Technik näherzukommen. Seit 2019 findet das Camp statt und wird jedes Jahr nach neuen Themen gestaltet. Ziel sei es, den Teilnehmenden eine grundlegende Basis über Technik zu vermitteln und ihnen zu zeigen, welche Möglichkeiten darin stecken. Der «Bock» sprach vor Ort mit Geschäftsführer Martin Sengel, um mehr über das Camp zu erfahren.
Technik soll erlebbar werden
Alljährlich dreht sich das Camp um ein spezifisches Thema. Dieses Jahr lag der Fokus vor allem auf Kreativität, Innovation sowie Robotik und künstlicher Intelligenz. Was das Ziel dabei sei, erklärt Sengel: «Wir möchten den Jugendlichen die Welt der Technik zeigen und vor allem für sie erlebbar machen. Es geht nicht darum, dass man ihnen nur darüber erzählt, sondern dass sie dabei auch selber ausprobieren dürfen.»
Zur Entwicklung technischer Fähigkeiten gehören laut Sengel auch viele weitere Kompetenzen: Kreativität, Teamarbeit, kritisches Denken, Neugier sowie eine lösungsorientierte Einstellung. Diese seien wichtige Aspekte, die in der Technik verankert seien und auch darüber hinaus im allgemeinen Leben eine Rolle spielen. «Wir leben in einer sehr technisierten Welt. Deshalb ist es wichtig, zu verstehen, dass Technik von uns Menschen kreiert wird und für Gutes, aber auch für weniger Gutes eingesetzt werden kann», erklärt der Geschäftsführer. Genau dieses Verständnis steht im Mittelpunkt des Camps. In einer sich immer schneller bewegenden Welt sei es ihnen ein Anliegen, dass Kinder und Jugendliche Technik nicht nur «konsumieren», beispielsweise durch Social Media. Vielmehr sollen sie verstehen, dass sie selbst die Möglichkeit besitzen, eigene Ideen umzusetzen und Technologien zu entwickeln und mitzugestalten.
Von Robotern bis zum 3D-Druck
Eine Mitgestaltung zeigt sich auch deutlich in der ganzen Halle. Beim Rundgang mit Sengel sind verschiedenste Projekte zu sehen: von programmierten Robotern über 3D-gedruckte Kunstwerke bis hin zu älteren Projekten, die noch heute genutzt werden. Darunter befindet sich beispielsweise ein Flipperkasten, der in einem früheren Ferienkurs entstanden ist und von den Kindern und Jugendlichen in der Pause zum Spielen genutzt wird. Auch ein Brückenbauroboter oder ein Roboter, der einen Rubik’s Cube lösen kann, zeigen, was mit eigenen Ideen entwickelt werden kann.
Während des Sommer-Camps arbeiten die Teilnehmenden an unterschiedlichen Projekten. Eine Gruppe beschäftigt sich mit dem 3D-Druck und formt zunächst mit Knete eigene Modelle, die später mit dem Drucker umgesetzt werden. Die andere Gruppe lötet konzentriert an ihren sogenannten «Dance-Bots», die programmiert werden können und sich bewegen sowie Musik abspielen können. Auf die Frage, was ihnen am meisten gefallen habe, sind sich die drei Camp-Teilnehmenden Nino, Julia und Mila, die konzentriert mit dem Löten ihrer Roboter beschäftigt sind, relativ einig: Der Workshop zur Künstlichen Intelligenz sowie die Arbeit mit dem 3D-Drucker gehörten für sie zu den spannendsten Aktivitäten.
Auch eine Glace-Pause gehört dazu
Die Hitze stellte am diesjährigen Camp eine kleine Herausforderung dar. «Am Nachmittag wurde es schon ziemlich heiss», erzählt Sengel. Nach einer kurzen Glace-Pause ging es den Jugendlichen jedoch gleich wieder besser und sie konnten sich erneut ihren Projekten widmen. Besonders schön sei es für Sengel zu sehen, wenn die Teilnehmer ein solches Interesse an Technik entwickeln und immer wieder zurückkehren, um weitere Kurse zu besuchen. Manche würden dadurch sogar eine mögliche berufliche Richtung entdecken. «Salome zum Beispiel startet nach den Ferien eine Lehre als Automatikerin», sagt Sengel und zeigt auf eines der Mädchen in der Pause. Ein Beispiel dafür, wie aus Neugier und dem ersten Ausprobieren ein konkreter Weg entstehen kann.