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Region
14.08.2026

Zwischen Warenkorb und Dorfladen

Andrea Keller.
Andrea Keller. Bild: zVg.
Andrea Keller schreibt über das Onlineshopping auf dem Land und die Frage, weshalb trotz aller Bequemlichkeit das lokale Gewerbe weiterhin zum Dorfleben gehört.

Früher war das Einkaufen im Dorf noch übersichtlich. Wenn man etwas brauchte, ging man in den Volg, zur Landi, in die Papeterie oder fuhr im äussersten Notfall in die Stadt. Heute reicht oft ein Klick auf dem Sofa und die Ware steht nach ein paar Tagen vor der Haustür. Das Onlineshopping hat auch vor ländlichen Regionen nicht haltgemacht. Man spart sich damit ja auch einiges an Nerven. Wer fährt schon gerne in die nächste Stadt, kurvt dort gefühlt eine Ewigkeit auf der Parkplatzsuche herum, nur um sich am Ende im Rückwärtsgang mit dem grossen Kombi in eine Parklücke hineinzuzwängen, die eigentlich für einen Kleinwagen konzipiert wurde?

Auf dem Land läuft das Paketgeschäft sowieso nach ganz eigenen Gesetzen. Das beginnt schon bei der Zustellung. Früher hatte man jahrelang denselben Pöstler, der jeden Hund mit Namen kannte und wusste, wer wann zu Hause ist. Heute wechseln die Gesichter am Steuer des gelben Wagens gefühlt im Wochentakt. Zum Glück gibt es die Erfindung der offiziellen Abstellerlaubnis. Wer auf dem Land wohnt, hinterlegt da schliesslich keinen faden Hauseingang, sondern wird kreativ. Da werden die Werkstatt oder die Ecke bei den Gummistiefeln kurzerhand zum offiziellen Paketdepot erklärt. Oder hinter der Holzbeige liegt das Paket dann so gut versteckt, dass man es erst beim nächsten Einfeuern wiederfindet.

Spannend ist auch, was eine Landfrau heute so alles im Internet ordert. Neben Ersatzteilen für Küchengeräte oder der Grossbestellung an Einmachgläsern landen immer wieder höchst wundersame Dinge im Warenkorb. Man ordert «besonders robuste Gartenhandschuhe» und hat nach dem ersten Nachmittag im Unkraut schon mehr Löcher darin als im alten Kartoffelsack. Oder man bestellt voller Vorfreude Servietten für den nächsten Vereinsanlass, übersieht dabei die Mengeneinheit und könnte danach problemlos noch drei Hochzeiten und ein Dorffest ausstatten. Besonders heikel wird es, wenn die bestellte Gartendeko auf dem Foto wie ein eleganter Steinbrunnen wirkt, in Wirklichkeit aber kaum grösser ist als ein Joghurtbecher. Da hilft nur Humor und vielleicht ein Platz im Feengarten der Kinder.

Ein echtes Highlight der modernen Technik ist die Echtzeitverfolgung der Supermarktbestellung auf dem Handy. Man sitzt beim Abendessen und sieht auf der digitalen Karte genau, wie der Lieferwagen noch drei Dörfer weiter festsitzt. Man kann quasi im Minutentakt überwachen, wie die Hefe fürs Sonntagszopfbacken und der Sack Kaffeebohnen immer näher Richtung eigene Haustür rücken. Das ist fast so spannend wie ein Krimi am Sonntagabend.

Trotz all dieser praktischen Möglichkeiten dürfen wir nicht vergessen: Entscheidend ist die Balance. Onlineshopping ist hilfreich, wenn die Zeit knapp ist oder etwas Spezielles gebraucht wird. Doch das Herz unserer Region schlägt im lokalen Gewerbe. Dorfladen, Bäcker, Metzgerei, Papeterie und Handwerker tragen das Dorfleben, beraten persönlich und schaffen Begegnungen. Wer dort einkauft oder Aufträge vergibt, investiert in die eigene Heimat.

Besonders wichtig ist das für unsere Kinder und Enkelkinder. Jeder Einkauf im Dorf und jeder Auftrag an einen Betrieb aus der Region hilft, Ausbildungsplätze und Arbeitsstellen zu sichern. So bekommt die Jugend eine echte Chance, hier zu bleiben und von vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten zu profitieren. Damit bleibt nicht nur Arbeit im Dorf, sondern auch Leben, Zusammenhalt und Perspektive.

Wenn Sie also das nächste Mal ein Paket vor der Haustür finden, freuen Sie sich über den Komfort der heutigen Welt und darüber, dass Sie nicht rückwärts einparken mussten. Und wenn Sie später mit den doch nicht ganz so robusten Gartenhandschuhen als Retoure im Dorfladen stehen und dabei noch kurz ins Gespräch kommen, merken Sie: Beides hat seinen Platz. Online spart Wege, lokal hält das Dorf zusammen. 

Schaffhausen24, Originalmeldung Schaffhauser Bauer, Andrea Keller
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