Wasserknappheit im Kanton Schaffhausen
Unterschiedliche Vorzeichen: Hemishofen, Buch und Stein am Rhein
In den betroffenen Gemeinden zeigt sich die Lage differenziert, doch überall ist die Sorge vor Engpässen spürbar.
In Hemishofen ist die Situation besonders angespannt. Durch die anhaltende Trockenheit sinkt der Grundwasserspiegel kontinuierlich und die zwei vorhandenen Brunnen sind mit hohen Nitratwerten belastet. Eine Durchmischung zur Einhaltung des gesetzlichen Grenzwerts von Nitrat ist kaum mehr möglich, wenn der Grundwasserpegel weiter sinkt. Zudem nimmt der Ertrag der Quellen ab. Die Haupttrinkwassermenge wird ab der Quelle bezogen, welche den Tagesbedarf nur bei verhaltenem Wasserkonsum deckt. Die Gemeinde schlägt deshalb deutliche Töne an. So sagt das Wasserreferat Hemishofen: «Ein Wassereinkauf von unseren Nachbargemeinden sollte vermieden werden, da sie auch mit Wasserknappheit kämpfen und zum Sparen aufrufen. Wir sind nun alle aufeinander angewiesen, um das zur Verfügung stehende Wasser intelligent zu nutzen.»
Auch in der Gemeinde Buch verfolgt man die Entwicklung aufmerksam. Gemeindepräsidentin Martina Jenzer-Ruh ordnet die aktuelle Lage wie folgt ein: «Den Sparaufrufen wird aktuell Folge geleistet. Der Gemeinderat hofft, dass die Disziplin anhält und auf Verbote verzichtet werden kann.»
Auf die Frage nach den grössten lokalen Verbrauchern verweist Jenzer-Ruh auf die Besonderheiten der ländlichen Struktur: «Die grössten lokalen Verbraucher sind die Milchbetriebe. Eine Kuh trinkt 100 Liter pro Tag und die Melkmaschine muss gewaschen werden – da besteht wenig Einsparpotential.» Zur Absicherung verfügt Buch über einen Vertrag mit der deutschen Nachbargemeinde Gottmadingen (welche laut dem regionalen Aufruf allerdings ebenfalls mit Engpässen rechnet).
In Stein am Rhein sieht man die Entwicklung zwar ernst, bewertet sie jedoch noch nicht als akut. Irene Gruhler Heinzer, Wasserreferentin der Stadt, betont die Vorsorge: «Aktuell ist die Wasserknappheit noch nicht als akut zu bewerten. Es ist jedoch wichtig, dass die Stadt auf mögliche Engpässe vorbereitet ist. Verbindliche Verbote werden erst dann in Erwägung gezogen, wenn ein kritischer Wasserpegel in den Reservoirs erreicht ist.»
Eigene Sonderregelungen für die Landwirtschaft gibt es in Stein am Rhein derzeit nicht, da sich die Stadt an den Vorgaben des Kantons orientiert und landwirtschaftliche Betriebe teils eigene Quellen oder Bewilligungen für Oberflächengewässer nutzen.
Wo gespart wird und wie die Bevölkerung mitzieht
Die Massnahmen der Gemeinden greifen direkt im Alltag. In Hemishofen wurden die öffentlichen Dorfbrunnen vorübergehend abgestellt. Zudem sind das Waschen von Autos, das Befüllen von Schwimmbädern sowie das Rasensprengen und die Gartenbewässerung einzustellen.
In Buch wird ebenfalls gespart: Sowohl die Pflege von Grünflächen als auch das Betreiben öffentlicher Brunnen wurden eingeschränkt.
In Stein am Rhein werden die städtischen Grünflächen bereits seit Längerem nicht mehr bewässert und Wasser wird nur noch im absolut notwendigen Rahmen eingesetzt. Auch hier stellt Irene Gruhler Heinzer fest, dass die bisherigen Auswertungen zeigen, «dass der Wasserverbrauch bereits vor den Ferien rückläufig war. Dies deutet darauf hin, dass der Sparaufruf Wirkung zeigt.»
Entwarnung aus der Kantonshauptstadt: SH Power sieht sich gerüstet
Im krassen Gegensatz zu den Besorgnissen in den kleineren Gemeinden steht die Lage in der Stadt Schaffhausen und Neuhausen. Die dortigen Städtischen Werke (SH Power) betonen die komfortable Ausgangslage durch ein mächtiges Grundwasservorkommen: «Die Grundwasserstände in Schaffhausen und Neuhausen sind stabil und es müssen keine Einschränkungen beim Wasserverbrauch ausgesprochen werden. Ein sparsamer Umgang mit Wasser ist natürlich immer sinnvoll», sagt René Hoffmann von SH Power
Der Tagesverbrauch liege aufgrund der Hitzewellen zwar «etwas über dem sommerlichen Durchschnitt», bewege sich jedoch weiterhin «im normalen Rahmen». Wasser werde derzeit auch nicht vermehrt in betroffene Umlandgemeinden gepumpt; der Austausch beschränke sich auf den gewohnten Umfang mit Hemmental und Büsingen.
Sollte es dennoch hart auf hart kommen, greift im städtischen Bereich Art. 39 der Verordnung über die Wasserabgabe (VW 2010), welcher den Städtischen Werken erlaubt, die Wasserversorgung bei Knappheit oder in Notlagen einzuschränken. Bei krisenhaften Dürren greifen zudem übergeordnete Notfallpläne und Vorgaben des Interkantonalen Labors (IKL) sowie des Bundes.
Fazit
Das Gesamtbild im Kanton Schaffhausen zeigt eine zweigeteilte Realität: Während die Hauptversorgung im Zentrum gesichert bleibt, sind Randregionen mit sensibleren Quellgebieten auf mehrtägige, flächendeckende Niederschläge angewiesen. Solange der Regen ausbleibt, sichern Solidarität, Disziplin der Bevölkerung und gegenseitige Netzverbünde die Trinkwasserversorgung in der Region.