Krankheitsbild – Wasserrute
Carlo, der zweijährige Labrador Retriever Rüde stürmt sonst immer wild wedelnd in das Behandlungszimmer. Doch heute ist alles anders: er wirkt gestresst und seine Rute hängt schlaff. Er trippelt mit der Hinterhand, versucht sich hinzusetzen, nur um gleich wieder aufzuspringen. Noch heute Morgen sei Carlo fit und munter gewesen, berichtet der Besitzer. Gemeinsam haben Herr und Hund einen neuen Badeplatz entdeckt und Carlo hat sich im Wasser richtig ausgetobt.
In der Untersuchung wirkt der Rutenansatz leicht geschwollen und ist extrem schmerzhaft. Ansonsten ergeben sich aber keine weiteren Befunde. Die Vorgeschichte und die Untersuchung lassen vermuten: Carlo leidet an einer Wasserrute.
Die genaue Ursache dieses Krankheitsbildes ist nicht sicher geklärt. Vermutet wird eine Überlastung der Muskulatur am Schwanzansatz, Entzündungen der Schwanzwirbelgelenke oder auch eine vorübergehende Durchblutungsstörung der Schwanzmuskulatur. Besonders betroffen sind Sport- und Jagdhunderassen (Retriever, Pointer, Beagle, u.a.). Rüden werden deutlich häufiger diagnostiziert als Hündinnen. Die Symptome treten plötzlich auf, meist etliche Stunden nach starker Belastung, intensivem Training, Schwimmen oder wildem Spielen im Wasser. Auch lange Transporte in Hundeboxen können zu diesem Symptombild führen.
Differentialdiagnostisch müssen Wirbelfrakturen, Erkrankungen der Lenden- und Kreuzbeinwirbel sowie Entzündungen der Analdrüsen oder der Prostata ausgeschlossen werden.
Zur Behandlung der Wasserrute erhält Carlo ein entzündungshemmendes Schmerzmittel und es wird Schonung verordnet. Ergänzend können physikalische Methoden wie Wärmeauflagen oder ein Therapielaser zusammen mit sanfter Massage angewendet werden.
Prophylaktisch ist bei jedem Training ein «warm up» und ein «cool down» wichtig. Die Trainingsintensität soll langsam und angepasst gesteigert werden und insbesondere bei Spielen und Toben im Wasser soll auf Pausen geachtet werden.