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Sport
20.07.2026

EM-Debüt mit 60-Meter-Coup

Nachwuchstalent Niklas Merk (l.) im Austausch mit seinem Trainer Wars Aniol.
Nachwuchstalent Niklas Merk (l.) im Austausch mit seinem Trainer Wars Aniol. Bild: Ernst Müller
Der Andelfinger Leichtathlet Niklas Merk vom Leichtathletikclub Schaffhausen hat bei den U18-Europameisterschaften im italienischen Rieti ein starkes internationales Debüt abgeliefert. Trotz Nervenkrimi schaffte er es in seiner Qualifikationsgruppe unter die Top 10.

Die letzten Vorbereitungen für die kontinentalen Titelkämpfe im italienischen Rieti verliefen für Niklas Merk absolut nach Plan. Der Athlet des Leichtathletikclubs Schaffhausen war in bester Verfassung angereist, was auch Nationaltrainer Björn Kötteritzsch sofort registrierte: «Die Trainingssessions verliefen planmässig, das Einwerfen am Wettkampftag passte, so dass wir Niklas eine Qualifikation für den Final zutrauten.»

Selbst die äusseren Bedingungen forderten den Athleten extrem: Bei Temperaturen um die 30 Grad brannte die Sonne auf die Anlage. Dank einer starken Physis und dem gezielten Einsatz von Kühlwesten liess sich Merk davon jedoch nicht beeindrucken. Als zehnter Athlet seiner Qualifikationsgruppe ging der Andelfinger hochkonzentriert in seinen ersten internationalen Einsatz und blendete die stimmungsvolle Kulisse komplett aus.

Nervenkrimi im Ring: Ein Wechselbad der Gefühle

Währenddessen fieberten zu Hause in Schaffhausen zahlreiche Clubkollegen mit. Am Samstagmorgen versammelte sich die Familie des Leichtathletikclubs auf der Munotsportanlage, um den Wettkampf per Livestream hautnah zu verfolgen. Und sie bekamen ein echtes Drama zu sehen.

Bereits beim ersten Versuch stockte den Zuschauern der Atem. Merk schritt äusserlich ruhig in den Ring und erwischte einen hervorragenden Wurf. Doch die enorme Energie aus der Drehung und dem Schwung war zu gross: Beim Abfangen des Wurfs übertrat er die Abwurflinie hauchdünn. Die rote Fahne der Kampfrichter ging hoch – ein ungültiger Versuch. Eine extrem heikle Situation, die auch Vater Pascal Merk auf der Tribüne miterlebte. Als Zehnkampf-Europameister der Masters Ü45 und Schweizer Rekordhalter weiss er genau, unter welchem mentalen Druck sein Sohn nun stand. Der zweite Wurf musste sitzen, um nicht vorzeitig auszuscheiden.

Merk bewies eiserne Nerven. Mit einem bewusst kontrollierten Sicherheitswurf korrigierte er den Anlauf und liess das Wurfgerät über die magische Linie segeln: 60,29 Meter. Ein Befreiungsschlag, denn diese Weite hatte er in seiner bisherigen Karriere bei optimalen Bedingungen überhaupt erst zweimal übertroffen. Im dritten und letzten Versuch gab es schliesslich nur noch eine Devise: Alles auf eine Karte setzen, um den Traum vom Finale wahrzumachen. Merk riskierte alles, investierte seine gesamte Kraft und Technik – doch wieder war das Pech auf seiner Seite. Er übertrat erneut minimal, und der Wurf wurde ungültig gegeben.

Verband zieht positives Fazit: Die Zukunft im Blick

Mit der Weite von 60,29 Metern beendete Niklas Merk den Wettkampf auf dem zehnten Rang seiner Qualifikationsgruppe. Für den Finaleinzug der besten Zwölf hätte es an diesem Tag 64,94 Meter gebraucht, die von einem Athleten aus Island erzielt wurden.

«Die Enttäuschung war natürlich riesig, da ich bereits mit 65 Metern in den Final gekommen wäre.»
Niklas Merk

Trotz der verständlichen Enttäuschung im ersten Moment überwog beim Verband der Stolz. Nati-Trainer Björn Kötteritzsch lobte ausdrücklich die professionelle Einstellung des jungen Schaffhausers, der das erklärte Verbandsziel – wertvolle Erfahrungen auf internationalem Parkett zu sammeln – vollauf erfüllt hat.

Der Blick von Niklas Merk geht ohnehin bereits wieder nach vorne. Nach einer kurzen und verdienten Trainingspause stehen im September die U18-Schweizermeisterschaften auf dem Programm, wo der LCS-Athlet als einer der Top-Favoriten gehandelt wird. Und auch die internationale Bühne wird er so schnell nicht verlassen: In den kommenden zwei Jahren bieten sich für das Schaffhauser Talent bei der U20-Europameisterschaft 2027 und der U20-Weltmeisterschaft 2028 bereits die nächsten grossen Chancen.

Schaffhausen24, Jan Sigg
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