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09.06.2026
08.06.2026 18:08 Uhr

«Es ist Zeit Abschied zu nehmen»

Hrvoje Horvat war drei Jahre lang Cheftrainer der ersten Mannschaft der Kadetten Schaffhausen. Jetzt kehrt erzurück in seine Heimat Kroatien.
Hrvoje Horvat war drei Jahre lang Cheftrainer der ersten Mannschaft der Kadetten Schaffhausen. Jetzt kehrt erzurück in seine Heimat Kroatien. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Nach drei Jahren an der Seitenlinie der Kadetten Schaffhausen verlässt Cheftrainer Hrvoje Horvat den Handballclub. Im Gespräch mit dem «Bock» blickt er auf seine Zeit in Schaffhausen zurück.

Hrvoje Horvat hätte sich wohl ein schöneres Ende seiner Zeit bei den Kadetten Schaffhausen gewünscht. Der Traum von der Titelverteidigung platzte jedoch im dritten Play-off-Final gegen den HC Kriens-Luzern. Damit blieb dem Kroaten der angestrebte Hattrick mit drei Schweizer Meistertiteln in Folge, als Cheftrainer verwehrt. Die Enttäuschung über die Finalniederlage musste zunächst verarbeitet werden und das nicht nur von Horvat selbst, sondern auch von seinen Spielern. Dennoch blickt der Cheftrainer auf drei erfolgreiche und prägende Jahre in der Munotstadt zurück, die ihm in bester Erinnerung bleiben werden.

Wir blicken auf drei Jahre Kadetten Schaffhausen zurück,  welche Momente kommen Ihnen dabei als Erstes in den Sinn?

Hrvoje Horvat: Wenn ich auf meine drei Jahre bei den Kadetten zurückblicke, kommt mir als Erstes der Gewinn des ersten Titels in den Sinn. Also der Supercup im Jahr 2023. Bereits in meinem ersten Jahr konnten wir gleich drei Titel feiern – das sind Erinnerungen, die mir bis heute besonders geblieben sind. Insgesamt waren es die schönsten drei Jahre meiner bisherigen Trainerkarriere. Es ist daher schwer ein spezifisches Highlight herauszusuchen.

Was erfüllt Sie rückblickend besonders mit Stolz?

Horvat: Natürlich bin ich stolz auf die sportlichen Erfolge, die ich mit der Mannschaft erzielen konnte. Wir haben in dieser Zeit sechs Titel gewonnen, der siebte blieb uns leider aus. Aber noch wichtiger ist für mich die menschliche Seite, welche ich in dieser Zeit mit den Spielern aber auch den Fans un der Crew aufbauen konnte. Ich hatte eine sehr enge Verbindung zum Verein, zum Umfeld und zur Mannschaft. Gemeinsam sind wir wie eine kleine Kadetten-Familie geworden. Solche Beziehungen sind aus meiner Sicht die Grundlage, um langfristig erfolgreich zu sein.

Wie hat sich die erste Mannschaft in dieser Zeit aus Ihrer Sicht entwickelt?

Horvat: Es ist schwierig, die Entwicklung einer Mannschaft über drei Jahre hinweg genau zu messen, weil sich ein Team ständig verändert. Spieler kommen dazu, andere verlassen den Verein. Trotzdem haben wir in dieser Zeit eine grosse Entwicklung gemacht. Am meisten hat mich die Entschlossenheit beeindruckt, die wir als Mannschaft entwickelt haben. Gleichzeitig sind wir als Gruppe immer enger zusammengerückt. Besonders freut es mich auch, dass sich viele junge Spieler in dieser Zeit stark weiterentwickelt haben. Einige haben sogar den Schritt zu noch grösseren Vereinen geschafft. Das zeigt, dass wir hier gute Arbeit geleistet haben. Natürlich sprechen auch die sportlichen Erfolge für sich. Sechs gewonnene Titel in drei Jahren sind ein Beweis dafür, dass sich die Mannschaft kontinuierlich verbessert hat.

Welche Rolle spielt neben dem sportlichen Aspekt auch die mentale Arbeit?

Horvat: Nebst dem sportlichen Teil spielt auch der mentale Bereich eine sehr wichtige Rolle für mich als Trainer. Ich würde sagen, rund die Hälfte meiner Arbeit besteht aus Psychologie. Es geht darum, die Spieler nicht nur körperlich, sondern auch mental weiterzuentwickeln. Man kann den Denkprozess genauso trainieren wie einen Bizeps. Diese mentale Ebene ist für mich zentral.

Eine grosse Herausforderung ist es, in die Köpfe der, oft noch jungen, Spieler zu gelangen. Ich versuche ihnen bewusst zu machen, dass man den Denkprozess aktiv steuern und trainieren kann. Gleichzeitig geht es darum, sogenannte «Distraktoren» zu erkennen und zu reduzieren – also alles, was die Spieler vom Wesentlichen ablenkt. Dafür führe ich viele individuelle und kollektive Gespräche. Besonders in schwierigen Phasen ist es wichtig, den Fokus und die Bewusstheit immer wieder neu zu schärfen.

Mit Blick auf die Zukunft: Wie schwer fällt Ihnen der Abschied und bleibt für Sie eine Rückkehr in die Schweiz grundsätzlich eine Option?

Horvat: Der Hauptgrund für meinen Abschied zu diesem Zeitpunkt ist meine familiäre Situation. Für mich steht die Familie immer an erster Stelle, und ich habe meine Entscheidungen schon immer stark an ihr ausgerichtet, um die beste Lösung für alle zu finden. In meinem Fall bedeutet das auch, dass wir über längere Zeit hinweg teilweise getrennt gelebt haben. Es war deshalb keine leichte Entscheidung, auch weil ich mich beim Verein und in der Umgebung sehr wohlgefühlt habe. Die Kadetten sind ein sehr stabiler Verein auf höchstem Niveau, das hat mir die Entscheidung zusätzlich erschwert. Gerade im dritten Jahr haben dabei auch die Emotionen eine grössere Rolle gespielt. Während zuvor der Fokus stark auf der täglichen Arbeit lag, wird so ein Abschied gegen Ende noch einmal intensiver spürbar.

Trotz allem überwiegt für mich das Verständnis, dass dieser Schritt jetzt richtig ist. Und ich schliesse nicht aus, dass ich eines Tages in die Schweiz oder ins Traineramt zurückkehre, vielleicht dann, wenn sich meine Lebenssituation wieder verändert hat.

Salome Zulauf, Schaffhausen24
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