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Gesellschaft
03.06.2026

Grundversorgung ist kein Geschäftsmodell

Livia Munz schreibt über die Initiative der SP Stadt Schaffhausen zur Grundversorgung.
Livia Munz schreibt über die Initiative der SP Stadt Schaffhausen zur Grundversorgung. Bild: zVg.
Livia Munz schreibt in ihrer Kolumne über die von der SP Stadt Schaffhausen lancierte Volksinitiative «Für eine sichere Grundversorgung». Diese fordert, dass zentrale Infrastrukturen wie Strom-, Wasser- und Wärmenetze in öffentlicher Hand bleiben, und warnt vor den Folgen einer Privatisierung.

Stellen Sie sich vor, Ihre Heizrechnung verdoppelt sich. Sie können nichts dagegen tun, denn den Anbieter für Wärme, Gas oder Strom kann man nicht einfach wechseln, es gibt keine Alternative. Genau das droht, wenn Strom, Wasser oder Wärme in private Hände geraten.
Die Grundversorgung ist kein offener Markt, es gibt nur eine Leitung, die ins Haus führt. Wer diese Leitung besitzt, hat de facto eine Monopolstellung. Ein Monopol ohne starke regulatorische Vorgaben bedeutet, der Anbieter bestimmt den Preis, und die Bevölkerung hat schlicht keine Wahl.
Dazu kommt, dass private Unternehmen nur dort investieren, wo sich Geld verdienen lässt. Abgelegene und technisch herausfordernde Gebiete bleiben dabei auf der Strecke. Sie müssen von der öffentlichen Hand teuer erschlossen und oft unwirtschaftlich betrieben werden. Am Ende trägt die Allgemeinheit das Risiko, während private Investoren den Gewinn kassieren. Das ist ungerecht und kein Modell, das wir in Schaffhausen wollen.
Ein Blick ins Ausland warnt uns deutlich: In Grossbritannien und Deutschland wurde die Grundversorgung privatisiert. Die Folgen waren massive Preissteigerungen, abfliessende Gewinne und ausbleibende Investitionen in die Infrastruktur. Heute kauft die öffentliche Hand die Netze teuer zurück. Diesen kostspieligen Fehler sollten wir in Schaffhausen nicht wiederholen.
Denn die Gefahr ist real und bereits spürbar. Während SH Power zu lange zögerte, Wärmeverbünde auf- und auszubauen, haben sich private Anbieter attraktive Gebiete gesichert. Politisch haben wir jetzt noch die Chance, klare Verhältnisse zu schaffen, bevor die Netzinfrastruktur zu zerstückelt ist.
Deshalb lanciert die SP Stadt Schaffhausen die Volksinitiative «Für eine sichere Grundversorgung». Öffentliche Infrastruktur soll Teil des städtischen Leistungsumfangs bleiben, kontrolliert von der Politik, im Interesse aller Einwohnerinnen und Einwohner.
Wir wollen eine SH Power, die Wärmeverbünde rasch und konsequent ausbaut. Wir wollen, dass die öffentliche Hand die Netzinfrastruktur erstellt, betreibt und unterhält – für alle, nicht nur für rentable Quartiere.
Grundversorgung ist kein Geschäftsmodell. Sie ist eine Aufgabe der öffentlichen Hand für die gesamte Bevölkerung.

Schaffhausen24
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