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02.06.2026
02.06.2026 06:20 Uhr

Trotz Industriewandel: Wie die Altra ihre Arbeitsplätze sichert

Aktuell zerlegen Mitarbeitende der Altra ausgediente elektronische Preisschilder von grossen Detailhändlern. «Wir trennen Batterie und Gehäuse in wenigen Arbeitsschritten», erklärt Marc Schären, Abteilungsleiter Industrie. «Das ist nachhaltige Arbeit, die uns Sicherheit gibt.»
Aktuell zerlegen Mitarbeitende der Altra ausgediente elektronische Preisschilder von grossen Detailhändlern. «Wir trennen Batterie und Gehäuse in wenigen Arbeitsschritten», erklärt Marc Schären, Abteilungsleiter Industrie. «Das ist nachhaltige Arbeit, die uns Sicherheit gibt.» Bild: zVg.
Die Industrie steht unter Druck. Produktionsverlagerungen ins Ausland, fortschreitende Automatisierung, steigender Konkurrenzdruck und die Corona-Pandemie haben viele Firmen gezwungen, ihre Strategien neu zu denken. Das spürt auch die Altra. Dennoch schafft es das Unternehmen, am Industriestandort Neuhausen für über 200 Mitarbeitende stabile und sinnstiftende Arbeit zu bieten: Eine Erfolgsgeschichte trotz Herausforderungen.

Elektronische Preisschilder recyclen, Kindervelos montieren, Liftsteuerungen zusammenbauen oder Geschenkkarten aufladen und konfektionieren. Am Industriestandort der Altra in Neuhausen sind die Aufträge so divers wie die Mitarbeitenden. Rund 200 Personen arbeiten hier im Bau 33 im SIG Areal in den Bereichen Elektro- und Industriemontage sowie Mechanik.
Damit es für alle eine passende Arbeit hat, braucht es sorgfältige Planung und Auftragsklärung. Marc Schären, Abteilungsleiter Industrie, sagt: «Aufträge müssen repetitiv, aber durchaus auch komplex und für uns stemmbar sein. Wir wollen nicht unsere Gruppenleiter beschäftigen, sondern unsere Mitarbeitenden.»
Die Mitarbeitenden sind Menschen mit Behinderungen oder Personen aus Wiedereingliederungsprogrammen, etwa nach Unfällen, Suchtproblemen, Burnouts oder Langzeitarbeitslosigkeit. «Es geht darum, Menschen aus der IV wieder im ersten Arbeitsmarkt einzugliedern.» Gleichzeitig bildet die Altra Lernende aus, vom zweijährigen Industriepraktikum bis zur vierjährigen Ausbildung, beispielsweise zum Polymechaniker EFZ.

Werbung über Führungen und LinkedIn

Dass sich der Industriemarkt in den letzten Jahren verändert hat, spürte man auch hier in Neuhausen. Besonders nach der Corona-Pandemie war die Auslastung zeitweise tief. «Zuvor lief vieles lange selbstverständlich, und wir mussten kaum Akquise betreiben», sagt Schären. Mit der Verlagerung grosser Industrieaufträge ins Ausland und der zunehmenden Automatisierung wurde jedoch ein Umdenken nötig. Teilweise holten Unternehmen Arbeiten auch wieder zurück in die eigenen Betriebe, um ihre Mitarbeitenden auszulasten. «Wie viele andere Unternehmen müssen auch wir uns laufend an veränderte Marktbedingungen anpassen. Wir mussten wieder aktiver für uns werben und zeigen, was wir können», so Schären weiter. Dies geschieht heute vor allem über Betriebsführungen, die Präsenz an Messen und Branchenveranstaltungen sowie über LinkedIn. Dadurch konnte die Altra vermehrt regionale KMU als Partner gewinnen.

Ein Beispiel ist die neue Zusammenarbeit mit Randenbike: Für das Unternehmen montieren die Altra Mitarbeitenden Kinder- und Jugendvelos. «Das ist natürlich eine schöne Aufgabe, weil unsere Mitarbeitenden das Endprodukt in den Händen halten können», sagt Schären. Ein weiterer Vorteil: Gleich mehrere Abteilungen sind eingebunden. Von der Arbeitsvorbereitung über die Montage bis hin zur Spedition läuft alles über die Altra. Wichtig bei neuen Partnerschaften sei stets, dass es auf Augenhöhe passiere. «Es gibt schon Kunden, die zu uns kommen, weil sie denken, die Altra macht es billiger.» Das sei aber nicht die Idee. «Wir sind ein verlässlicher Partner, halten Qualität und die vorgegebenen Termine ein und verrechnen dafür branchenübliche Ansätze.»
Neu ist auch die Zusammenarbeit mit Pro City. Die Bestellungen der Geschenkkarten gehen direkt bei der Altra ein, wo die Karten geladen und an die Kundschaft verschickt werden. Zur Hochsaison, etwa im Dezember, sind es über 2000 Karten. «Hier muss sehr genau gearbeitet werden, die Beträge müssen stimmen und die Gutscheine richtig zugeordnet sein», erklärt Schären. «Unsere Mitarbeitenden freuen sich, wenn neue Aufgaben dazukommen. Es findet sich immer jemand, der sie gerne übernimmt.» Aber es geht hier nicht nur darum, Menschen über Arbeit weiterzuentwickeln. Schlussendlich ist es auch eine finanzielle Frage. «Kundenaufträge sind für uns von grosser Bedeutung. Mit ihnen erwirtschaften wir einen wichtigen Teil unserer Erträge», so Schären.

Monatelange Gespräche mit Fachstellen

Gerade bei langfristigen Partnerschaften ist man darum auch bereit zu investieren. Für die IVF stellt die Altra etwa komplette Apotheken-Sets zusammen, von der kleinen Reiseapotheke bis zum grossen Rucksack. «Dafür mussten wir extra eine Klimaanlage einbauen und unsere Räume umbauen. Auch Prozesse und ERP-Systemanbindungen sind bei solchen Zusammenarbeiten wichtig, damit alles effizient funktioniert.»
Für gewisse Aufträge braucht es zudem Bewilligungen, etwa im neu aufgebauten Bereich Recycling von Kleingeräten. «Nach monatelangen Gesprächen mit kantonalen und weiteren Fachstellen konnten wir Lösungen finden, die uns neue Arbeit ermöglichen», freut sich Schären.
Es ist ein Bereich, in dem die Arbeit nicht so schnell ausgeht. Ein Bereich, der sich von elektrischen Zahnbürsten bis zu Rasierapparaten weiter ausbauen lässt.
Aktuell zerlegen Mitarbeitende ausgediente elektronische Preisschilder von grossen Detailhändlern. «Wir trennen Batterie und Gehäuse in wenigen Arbeitsschritten», erklärt Schären. «Das ist nachhaltige Arbeit, die uns eine ganzjährige Auslastung und damit Sicherheit bietet.»

Dieser Artikel  gehört zu einer 12-teiligen Serie rund um Angebote, Arbeits- und Lebenswelten der Altra. Begleitend dazu wird fortlaufend über das Thema psychische Gesundheit informiert. Ergänzt wird die Serie durch persönliche Tagebucheinträge von Mitarbeitenden der Altra, die Einblicke in ihren beruflichen und privaten Alltag geben.

Weitere Informationen und alle Teile der Serie finden Sie hier: altra-sh.ch/kampagnen

Claudia Riedel, Schaffhausen24
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