Ein neues Leben in Island
Dieser Islandroman hat mich tief berührt. Vielleicht, weil ich selber, wie die Hauptfigur Alba, auch Linguistin war – bevor die Entscheidung, nicht Lehrerin zu werden, meinem Leben eine völlig andere Wendung gab.
Die Linguistin Alba reist um die Welt, um Konferenzen für aussterbende Sprachen zu besuchen. Daneben unterrichtet sie in Reykjavik und arbeitet als Lektorin. Wegen des intensiven Reisens fragt sie sich, wie viele Bäume sie wohl pflanzen müsste, um ihren CO₂-Fussabdruck zu kompensieren. Das bringt sie auf die Idee, ein Häuschen mit etwas Land ausserhalb der Stadt zu suchen.
Sie findet nicht nur ein renovierungsbedürftiges Häuschen, sondern auch ein Dorf mit liebenswürdigen Einwohnern, die alles daransetzen, Alba in ihre Gemeinschaft zu integrieren. Schon bald ist sie dem Theaterverein beigetreten und unterrichtet die in der Umgebung wohnenden Flüchtlingen Isländisch. Sie reduziert ihr Pensum als Lehrerin in der Stadt; ein Running Gag um einen Gedichtband, den sie lektorieren soll, taucht alle paar Kapitel auf, aber Reykjavik nimmt immer weniger Platz in ihrem Leben ein.
Das Zuhause auf dem Land
Der Waise Danyel hilft ihr tatkräftig beim Pflanzen der vielen Bäume auf ihrem Grundstück. Es muss auch ein Hag gebaut werden, damit die Schafe vom Nachbarn die jungen Triebe in Ruhe lassen. Mehr und mehr fühlt sich Alba auf dem Land zu Hause und krempelt ihr Leben vollständig um, indem sie sich ein kleines Eden kreiert. Wie Alba alles einfach passieren lässt und irgendwann merkt, dass es richtig ist, so wie es ist, hat mich sehr beeindruckt. Auður Ava Ólafsdóttir hat hier eine interessante Figur geschaffen, die einen noch lange nach der Lektüre begleitet.