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Rafzerfeld
18.05.2026

Ein Kreuz statt Handarbeit: Zürcher Gemeinden testen das «E-Counting»

Im Wahlbüro wandern die Abstimmungsbögen direkt in ein optisches Lesegerät und werden softwaregestützt ausgewertet.
Im Wahlbüro wandern die Abstimmungsbögen direkt in ein optisches Lesegerät und werden softwaregestützt ausgewertet. Bild: Gemeinde Fällanden
Am Abstimmungssonntag vom 14. Juni bricht in neun Zürcher Gemeinden ein neues Zeitalter an der Urne an. Statt mühsam von Hand zu sortieren, jagen die Wahlbüros die Stimmzettel durch Scanner. Während das «E-Counting» in Zürich Premiere feiert, blickt man auch in der Nachbarregion Schaffhausen gespannt auf das Projekt.

Es ist ein gewohntes Bild an jedem Abstimmungssonntag, auch im Kanton Schaffhausen: Engagierte Mitglieder der Wahlbüros sitzen stundenlang an grossen Tischen, sortieren Stimmzettel akribisch nach «Ja», «Nein», «leer» oder «ungültig» und lassen die Papierstapel anschliessend zur Absicherung zweimal durch eine Banknotenzählmaschine rattern. Ein Prozedere, das nicht nur enorm viel Zeit frisst, sondern für die Helferinnen und Helfer zunehmend an Attraktivität verliert.

Doch damit könnte bald Schluss sein. Zumindest wenn es nach dem Modell geht, das am 14. Juni im Nachbarkanton Zürich erprobt wird.

Ein einziger Zettel und ein einfaches Kreuz

In den neun Zürcher Pilotgemeinden, darunter Seuzach, Zollikon, Küsnacht, Regensdorf und das nahe der Schaffhauser Kantonsgrenze gelegene Rafz, bleibt an diesem Sonntag kaum ein Stein auf dem anderen. Die rund 58'000 betroffenen Stimmberechtigten (etwa sechs Prozent des kantonalen Totals) erhalten neu einen einzigen, einheitlichen und maschinenlesbaren Stimmzettel. Auf diesem sind alle eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Vorlagen zusammengefasst.

Die grösste Umstellung für die Bürgerinnen und Bürger: Das handschriftliche Aufschreiben von «Ja» oder «Nein» fällt weg. Stattdessen wird die Stimme per einfachem Kreuz im entsprechenden Feld abgegeben. Im Wahlbüro wandern die Bögen danach direkt in ein optisches Lesegerät und werden softwaregestützt ausgewertet.

Bewährtes System mit strengen Auflagen

Was in Zürich wie Science-Fiction anmutet, ist in anderen Teilen der Schweiz längst Courant normal. Über 100 Schweizer Gemeinden und Städte zählen ihre Stimmen bereits elektronisch aus. Der Kanton Genf machte schon 2001 den Anfang, gefolgt von der Waadt (2005) oder St. Gallen (2008). Zuletzt stellten Bern (2024) und Basel-Stadt (2025) auf das System um. Der Bundesrat hat das Verfahren für eidgenössische Vorlagen bereits 2018 bewilligt.

Dass die Skepsis gegenüber digitaler Auszählung gross sein kann, weiss man auch bei der Zürcher Direktion der Justiz und des Innern, welche die Technologie nun für das gesamte Kantonsgebiet freigegeben hat. Um das Vertrauen zu sichern, gelten strenge Sicherheitsauflagen: Technische Kontrollen, klare Zugriffsrechte und umfangreiche, repräsentative Stichproben von Hand sind Pflicht. Zudem verbleibt die letztliche Verantwortung immer beim menschlichen Wahlbüro vor Ort. Vorerst gilt das «E-Counting» zudem ausschliesslich für Abstimmungen; für Wahlen fehlt derzeit noch die gesetzliche Grundlage.

Der Blick über die Grenze: Was macht Schaffhausen?

Besonders in den Schaffhauser Randen- und Klettgaugemeinden sowie in der Stadt Schaffhausen dürfte man am 14. Juni ganz genau hinschauen. Die Gemeinde Rafz liegt im Zürcher Unterland in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kanton Schaffhausen. Wenn dort das Wahlbüro dank der Scanner entlastet wird und die Resultate deutlich schneller vorliegen, erhöht das den Argumentationsdruck im Nachbarkanton.

In Schaffhausen, wo die Wege kurz sind und man sich gerne als innovationsfreudiger Pionierkanton (etwa bei der elektronischen Identität eID+) versteht, wurde die digitale Auszählung in der Vergangenheit ebenfalls immer wieder diskutiert. Bislang setzt man hier jedoch flächendeckend auf die klassische Handarbeit. Das Zürcher Pilotprojekt, das von der Geschäftsstelle «egovpartner» und dem Statistischen Amt fachlich begleitet wird, liefert nun quasi direkt vor der Schaffhauser Haustür den Praxisbeweis im kleineren Rahmen.

Sollte der Feldversuch im Juni reibungslos verlaufen, dürften die Diskussionen um eine Entlastung der Wahlbüros mittels «E-Counting» auch im Kanton Schaffhausen neuen Aufwind erhalten. Die Stimmberechtigten in Rafz und Co. finden in diesen Tagen jedenfalls detaillierte Erklärungen in ihren Abstimmungsunterlagen und dürfen im Juni als Erste das Kreuzchen im Quadrat testen.

Schaffhausen24, Originalmeldung Gemeinde Rafz
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