Mit Speed durchs Studium
Das Team des «Akademischer Motorsportverein Zürich» (AMZ) gehört seit Jahren weltweit zu den Erfolgreichsten. Es führt aktuell die Weltrangliste der Formula Student an. Der Entwicklungsprozess der E-Boliden folgt einem klaren Jahreszyklus. Das Team 2026 fängt nun mit dem Zusammenbauen ihres neu entwickelten Wagens und im April mit den Testfahrten an. Auf dem Lilienberg, in Ermatingen, zeigten vergangene Woche die Erbauer, aus den Studiengängen Maschinenbau und Elektrotechnik, der ETH Zürich und Hochschule Luzern (HSLU), das Fahrzeug «aurona» von 2025. «Viele der eingesetzten Technologien und Entwicklungsprinzipien sind mit denen aus der Formel 1 oder der Formel E vergleichbar. In einzelnen Bereichen sind die Fahrzeuge sogar fortschrittlicher», erklärt die 25-jährige Chiara Lenz aus Flurlingen gegenüber dem «Bock». Sie studiert aktuell Elektrotechnik und Informationstechnologie im Master an der ETH Zürich und war 2023 und 2024 Teil des AMZ-Teams – als Elektroingenieurin und Fahrerin.
Einzigartige Gelegenheit für Studierende
Studierende der ETH Zürich gründeten 2006 den AMZ. Seitdem entwickelt, konstruiert und baut das Team jedes Jahr einen neuen Rennwagen-Prototyp, mit dem es im Sommer an Formula-Student-Wettbewerben in Europa teilnimmt. Der Name ist unter den Studierenden wie auch in der Industrie alles andere als unbekannt. «Nach zwei Jahren Studium, welche von sehr theoretischen und eher trockenen Vorlesungen geprägt waren, wollte ich mir praktische Fähigkeiten aneignen. Diese gehören schliesslich zum Ingenieurinnendasein dazu.» Und genau diese Möglichkeit bietet AMZ Racing den Studierenden an. Die Mitarbeit kann an der ETH als Fokusprojekt und bei der HSLU als Bachelorarbeit angerechnet werden.
Bekannter Name und hohe Erwartungen
Neues Jahr, neues Team. Mit wenig bis keinen praktischen Vorkenntnissen arbeiten die Projekt-Teilnehmenden sozusagen als Senior Design Engineers und tragen damit eine grosse Verantwortung. Studierende des vorherigen Entwicklung- und Baujahres übernehmen in der darauffolgenden Saison die Projektleitung. Für die motorsport- und fahrzeugtechnikbegeisterte Chiara Lenz war die Mitarbeit am Formula Student Wagen eine einmalige Gelegenheit. Damit kommen aber durch die grossen Erwartungen viel Druck und unzählige Arbeitsstunden in der Freizeit einher. 2023 wollte das AMZ-Team den Weltrekord von Stuttgart zurück in die Schweiz holen. Auf Basis des Chassis von «mythen», einem Fahrzeug aus der Saison 2019, wurden dafür diverse technische Neuentwicklungen implementiert. «Ein zentrales technisches Element war der Einsatz von aktiven Aerodynamikelementen zur Erzeugung von Downforce. Dafür mussten zusätzliche Sensoren und Überwachungssysteme integriert werden, um diese Aero-Systeme zuverlässig zu betreiben», berichtet Lenz, welche dieses System entwickelt hat. Da bei solch einem Rekordversuch noch mehr Kräfte als sonst schon auf die Person im Cockpit wirken, sei die Steuerung, zum Beschleunigen und Bremsen, über das Lenkrad implementiert worden, so die Masterstudentin: «Bei Beschleunigungen dieser Grössenordnung ist es schwierig, das Gaspedal schnell genug vollständig durchzudrücken. Der Fuss wird durch die Beschleunigung praktisch nach hinten gezogen.» Weiter habe das Team eine neue Batterie verwendet. Diese sei speziell auf Spannungsstabilität bei sehr hohen Leistungspeaks ausgelegt. Aktive aerodynamische Elemente, welche zusätzlichen Abtrieb erzeugen und mehr Kraft auf den Boden übertragen, hätten ebenfalls ihren Part beigetragen. «Das Auto wurde dadurch sozusagen an den Boden gesaugt.»
Ein Highlight sei sicher der Moment gewesen, als bei einer Testfahrt bereits die Bestmarke von 1,461 Sekunden, für die Beschleunigung von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde, unterboten wurde. Denn 2022 schaffte es das damalige GreenTeam der Uni Stuttgart, den langjährigen Rekord des AMZ zu brechen. «Aber nur schon der Moment, wenn ein Auto zum ersten Mal fährt und die einzelnen Komponenten und Systeme zuverlässig zusammenspielen, ist ganz speziell», erinnert sich Lenz gerne zurück. Es sei faszinierend, wie theoretische Konzepte, etwa aktive Aerodynamik, in der Praxis funktionieren.
Chiara Lenz schaffte es bei einer ihrer Versuchsfahrten, den Rekord zu brechen. Die Zeit von unter einer Sekunde – 0,956 – gelang nach mehreren Versuchen ihrer Rennfahrkollegin Kate Maggetti.
Ist der hauseigene Weltrekord überhaupt noch zu knacken? Der diesjährige AMZ-CEO, Alexander Hefele, glaubt daran, wenn auch mit Vorbehalt: «Die Zeit von 2023 entspricht einem äusserst grossen Erfolg. Eine weitere Verbesserung ist denkbar, jedoch ist dafür sehr viel Aufwand und Ingenieurskunst nötig.»
Jedes Jahr übernehmen Studierende, welche im Jahr davor selbst an einem Fahrzeug arbeiteten, Führungsaufgaben im AMZ Racing Team. Der aktuelle CEO ist Alexander Hefele. Der «Bock» wollte unter anderem von ihm wissen, wo aus der Sicht des Managements die Schwierigkeiten im Projekt liegen, und ob ihr 2023 aufgestellter Weltrekord in der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h noch zu toppen ist.
«Bock»: Was zeichnet das AMZ Racing Team aus?
Alexander Hefele: Wir sind ein studentisches Team der ETH Zürich und der Hochschule Luzern, die jedes Jahr ein neues Rennauto bauen um an den Formula Student Wettbewerben teilzunehmen. Seit 20 Jahren ist der Verein bereits aktiv und wir sind eines der besten Teams auf der ganzen Welt und momentan belegen wir den ersten Platz auf der Weltrangliste.
Welches Ziel verfolgen Sie dieses Jahr?
Hefele: Wie jedes Jahr ist das Ziel die nächste Generation an Ingenieuren auszubilden und Ihnen die Möglichkeit zu geben das eigene Wissen anzuwenden und damit ein Auto zu bauen, welches so viele Wettbewerbe wie möglich gewinnen kann.
Wo liegen stets die Schwierigkeiten?
Hefele: Eine grosse Herausforderung ist natürlich immer das Einführen des neuen Teams und der Wissenstransfer. Hier sind wir froh um ein grosses, aktives Alumni Netzwerk, dass ihre Erfahrungen teilt und dem neuen Team beim erarbeiten des Wissens aushilft.
Kann der hauseigene Weltrekord überhaupt noch geknackt werden?
Hefele: Mit dem neusten Weltrekord von 2023 haben wir den bestehenden Rekord um 0,6 Sekunden geschlagen von 1,5 auf 0,956 Sekunden. Dies entspricht einem äusserst grossem Erfolg. Eine weitere Verbesserung der Zeit ist denkbar, jedoch ist dafür sehr viel Aufwand und Ingenieruskunst nötig.