«Es geht ums Miteinander»
Am Wochenende vom 25. und 26. Oktober findet zum zweiten Mal in Schaffhausen der Megamarsch statt. Dahinter steckt die Firma Hundert24 GmbH aus Mönchengladbach. Nadia Erni ist zuständig für die Organisation in Schaffhausen und blickt im «Bock»-Interview auf dieses bevorstehende Ereignis.
«Bock»: Nadia Erni, wie ist eigentlich der Megamarsch ins Leben gerufen worden?
Nadia Erni: 2016 hatten zwei Kollegen eine sogenannte Bieridee, indem sie einfach mal schauen wollten, wie weit ihre Beine sie bei einem Marsch tragen würden. Rund 200 Teilnehmende folgten dem ersten Aufruf in Köln und absolvierten den ersten 100-Kilometer-Marsch binnen 24 Stunden. Dies sorgte für ein grosses Echo, sodass dieser Event kontinuierlich wuchs.
Aus dieser Bieridee entstand nicht nur ein Anlass, sondern eine ganze Eventreihe.
Erni: Das ist richtig. In Deutschland etablierte sich der Megamarsch relativ schnell, sodass über das ganze Jahr verteilt immer mehr Anlässe durchgeführt wurden. Letztes Jahr holten wir den Event erstmals nach Schaffhausen, zudem finden auch in Österreich und auf Mallorca je ein Marsch statt.
Der Megamarsch beträgt 100 Kilometer, die man während 24 Stunden absolviert. Klingt nach Hochleistungssport?
Erni: Es ist schon eine Challenge, eine solche Distanz zu bewältigen, aber es ist kein Wettbewerb, bei dem es eine Zeitmessung gibt, und es wird auch keine Rangliste geführt. Es geht hier wirklich um das Miteinander. Wir veranstalten aber auch 50-Kilometer-Märsche, wie beispielsweise in Bern oder Spezialevents wie die Mega-Challenge, bei der man bis zu fünf Stufen, respektive bis zu 1000 Kilometer, während zwei Monaten absolviert. Mittlerweile finden durch das ganze Jahr insgesamt 23 Events statt.
Im Oktober 2024 war Schaffhausen erstmals Gastgeber des Megamarschs.
Erni: Rund 620 Teilnehmende folgten dem Aufruf, was sehr positiv war. Der Event in Schaffhausen ist der einzige 100-Kilometer-Marsch in der Schweiz, was sicher auch dazu beitrug, dass so viele Personen teilnahmen. Darum wollten wir diesen Anlass unbedingt in diesem Jahr wiederholen.
Gibt es Anpassungen im Gegensatz zum Vorjahr?
Erni: Wir haben das Konzept etwas angepasst, da uns bewusst geworden ist, dass die letztjährige Strecke etwas zu ambitioniert gewesen ist. So wird diese nicht mehr über den Randen, sondern entlang des Randenfusses geführt. Zudem ist das Start- und Zielgelände neu auf dem Herrenacker. Wir übernahmen im vergangenen Jahr einfach das Konzept aus Deutschland, stellten jedoch fest, dass die Schweizer etwas anders ticken. Darum haben wir ein paar Änderungen vorgenommen, wie zum Beispiel die Verpflegungsarten an den Stationen. Zudem möchten wir die Bevölkerung noch besser informieren, denn wir haben festgestellt, dass Interesse vorhanden ist. Überhaupt schätzen wir die Zusammenarbeit mit den Behörden, mit der Polizei, dem Sportamt, aber auch mit der IG Herrenacker, die uns allesamt grossartig unterstützen. Wir haben schnell gemerkt, dass in Schaffhausen alles etwas familiärer ist als an anderen Orten.
Auch wird neu eine kürzere Variante angeboten.
Erni: Korrekt. Für viele ist ein 100-Kilometer-Marsch kein optimaler Einstieg. Darum werden wir neu auch die Option anbieten, nach 50 Kilometern aus dem Lauf auszusteigen. Dadurch, dass die Strecke in der Hälfte wieder über den Herrenacker führt, bietet sich dort eine gute Gelegenheit für einen Ausstieg. Man wird für die 50 Kilometer mit einer Medaille und einer Urkunde ausgezeichnet sowie in die «Hall of Fame» aufgenommen. Zudem wird ungefähr alle 20 Kilometer eine Verpflegungsstation eingerichtet, deren insgesamt vier Standorte jeweils in unmittelbarer Nähe einer ÖV-Station sind. Uns ist wichtig, dass gewährleistet ist, dass man von diesen Posten aus mit dem öffentlichen Verkehr wieder nach Hause kommt und nicht auf ein Auto angewiesen ist.
Den Randen haben Sie als Teil der Route bereits erwähnt. Wie sieht denn die restliche Streckenführung aus?
Erni: Die Strecke ist noch nicht zu 100 Prozent in Stein gemeisselt. Start ist, wie gesagt, auf dem Herrenacker und führt danach durchs Klettgau nach Trasadingen, wo ein erster Verpflegungsstand steht. Auf der Strecke zurück nach Schaffhausen wird wahrscheinlich ein Weg am Fusse des Randens entlang gewählt. Via Herrenacker führt der Weg weiter nach Diessenhofen, Stein am Rhein bis nach Buch, wo sich eine weitere Station befindet. Von dort aus geht’s zurück nach Schaffhausen, wo auf dem Herrenacker das Ziel wartet. Derzeit stehen noch ein paar Abklärungen an, um den Teilnehmenden eine möglichst attraktive Route anbieten zu können. Ebenso wollen wir darauf achten, dass die Steigungen nicht mehr so extrem sind wie im letzten Jahr. Schön ist auch, dass die Strecke durch die Kantone Zürich, Thurgau und das angrenzende Deutschland führt.
Wer kann sich alles für den Megamarsch anmelden?
Erni: Es können sich alle anmelden, die Interesse haben, einen solchen Marsch zu absolvieren. Allerdings empfehle ich, dass man vor einem 100-Kilometer-Marsch bereits etwa 60 Kilometer am Stück gelaufen ist. Einen Kaltstart rate ich eher weniger, weil das Verletzungsrisiko dadurch erhöht wird. Für jemanden, der regelmässig wandert, sollte das Absolvieren der Strecke durchaus machbar sein.
Worauf muss man bei diesem Lauf sonst noch achten?
Erni: Nebst einer optimalen Vorbereitung ist das Wichtigste, ein perfektes Schuhwerk und entsprechende Socken zu tragen. Denn ein solcher Lauf fordert die Füsse ziemlich, sodass Blasen, Krämpfe und Zerrungen nicht ganz ausgeschlossen sind. Aber man muss die Witterungsverhältnisse im Oktober berücksichtigen. Von Schnee bis Hitze ist alles möglich, darum ist es auch essenziell, auf optimale Kleidung zu achten. Auch die Verpflegung während des Anlasses ist ausschlaggebend, gerade wegen der Verträglichkeiten. Auf der Strecke werden aber auch lokale Samaritervereine zugegen sein. Dazu wird eine Patrouille mit einem Rettungswagen unterwegs sein, falls es irgendwo zu einem Notfall kommen sollte.
Kann man sich schon für den Megamarsch in Schaffhausen anmelden?
Erni: Bis Ende März läuft die Aktion «Early Bird Ticket», mit der man sich die Teilnahme etwas günstiger sichern kann. Anmelden kann man sich bis kurz vor dem Start. Im Ticketpreis inbegriffen sind die gesamten Aufwände der Organisation, Snacks und Getränke an den Verpflegungsstationen sowie die Urkunde, die man ab der zweiten Verpflegungsstation erhält, wie auch die Finisher-Medaille. Dazu besteht die Möglichkeit, sich vor Ort mit Merchandisingprodukten wie T-Shirts und Hoodies einzudecken.