Jeden Morgen freut sich Hansueli Holzer aufzustehen. Nachdem er die Vögel im Garten gefüttert hat, gibt es einen gemütlichen Zmorgen im Wintergarten, gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Indra Graf. Dann widmet er sich einer seiner Leidenschaften: Dem Kunstmalen, dem Dokumentarfilmen oder dem Garten.
In der Schweiz gibt es über 10 000 Malerinnen und Maler, doch nur ganz wenige beherrschen das Holzschneiden. Und einer davon ist eben Hansueli Holzer in Stein am Rhein. «Die Technik ist ein bisschen wie in der Steinzeit», so der 74-Jährige. Für ein dreiteiliges Bild des Seeufers bei Eschenz benötigte er insgesamt zwölf Holzbretter, denn für jede Farbe müssen separate Bretter mit den entsprechenden Schnitten verwendet werden. «Es ist eine sehr aufwendige Kunstform», so Hansueli Holzer, der am genannten Bild etwa drei Monate lang arbeitete.
Zwischen Schule und Atelier
43 Jahre lang lebte Hansueli Holzer in Ramsen. Nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahr 2005 führte ihn das Schicksal mit der Gemeindekrankenschwester Indra Graf zusammen. Seit drei Jahren leben die beiden in Stein am Rhein. Aufgewachsen ist der Künstler im Kanton Luzern, mit 16 Jahren startete er eine Grafiklehre in Winterthur. Nach Abschluss der 4-jährigen Lehre besuchte er die Kunstgewerbeschule in Zürich (heute Hochschule für Gestaltung und Kunst). «Eigentlich wollte ich dort nur ein Jahr bleiben. Und dann in die Welt hinausgehen, reisen und Bücher schreiben», erzählt Hansueli Holzer. Doch es kam anders: Nach vier Jahren an der Kunstgewerbeschule, an der er ohne Prüfung aufgenommen würde, schloss er die Ausbildung erfolgreich ab. Dann arbeitete er mehrere Jahre als Kantilehrer in Glarus sowie an einer privaten Mittelschule in Zürich – nebenher zeichnete und malte er viel. «Ich wollte nämlich eigentlich gar nie Lehrer werden», so Hansueli Holzer, der schlussendlich bis zu seinem 60. Lebensjahr mit Unterbrüchen im Lehramt tätig blieb.
Talent ist ihm gegeben
«Malen ist wie Treppenbauen. Die erste Stufe ist das Beherrschen der Farben», so der Künstler, der in seinen Anfängen sehr lange Zeit nur Stillleben malte.
Dass Hansueli Holzer talentiert ist, bekam er immer wieder zu hören und zu spüren. Er erinnert sich an ein Erlebnis in der Rotapfel-Galerie, damals eine der renommiertesten Galerien in Zürich. «Ich wollte meine Unterlagen abgeben, doch es hiess nur, ich solle zuerst in drei oder vier anderen Galerien ausstellen», so Hansueli Holzer. Denn im Kunstbereich zählen vielfach die Anzahl Ausstellungen. Doch der damals junge Künstler bestand darauf, dass die Verantwortlichen sein Bewerbungsdossier behalten. Kurze Zeit später erhielt er das Telefonat: Sie wollten unbedingt, dass Hansueli Holzer seine Holzschnitte hier ausstellte.
Bis zu seinem Umzug nach Stein am Rhein präsentierte Hansueli Holzer seine Werke regelmässig an Ausstellungen. Bereits über 1000 Holzschnitte hat er kreiert – unter anderem gestaltete er 1986 das Plakat für das Freilichtspiel «No e Wili».
Aber auch für seine Zeichnungen und Ölbilder ist Hansueli Holzer angesehen. «Das Licht ist für mich das allerwichtigste», so der Künstler. Werke von ihm befinden sich in verschiedenen Sammlungen und Museen, darunter im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen.