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Rafzerfeld
23.08.2021
23.08.2021 10:56 Uhr

Wie Eglisau unter dem täglichen Verkehr leidet

Die Rheinbrücke, welche die beiden Teile des Städtchens Eglisau verbindet, ist seit vielen Jahren ein verkehrstechnisches Nadelöhr, auf dem es täglich zu Verkehrsüberlastungen kommt.
Die Rheinbrücke, welche die beiden Teile des Städtchens Eglisau verbindet, ist seit vielen Jahren ein verkehrstechnisches Nadelöhr, auf dem es täglich zu Verkehrsüberlastungen kommt. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Durchschnittlich 22 000 Fahrzeuge passieren die Rheinbrücke in Eglisau täglich. Ein Verein kämpft seit Jahren für eine Umfahrung.

«Eglisau ist mehr als nur eine Staumeldung» – heisst es auf der Webseite des Vereins Umfahrung Eglisau (VUE). Tagtäglich kommt es auf der Rheinbrücke, welche die beiden Teile des Städtchens verbindet, zu massiven Verkehrsüberlastungen. Gemäss einer Erhebung vor Corona erreichten die täglichen Frequenzen durchschnittlich rund 22 000 Bewegungen. «Am meisten betroffen sind die Pendlerzeiten zwischen 6.30 und 8 Uhr sowie abends zwischen 16 und 19 Uhr», führt Kurt Fehr, Vorstandsmitglied des VUE, aus. Der Buchberger und ehemalige Geschäftsführer ist seit knapp zwei Jahren Vereinsmitglied und vertritt den Bereich Wirtschaft im Rafzerfeld.

Lange bekanntes Problem

Wie verabredet treffen wir Kurt Fehr zum Interview am Ort des Geschehens, der historischen Rheinbrücke in Eglisau. Es ist laut und es vergeht keine Minute, in der kein Auto die Brücke überquert. «Das Problem ist schon seit Langem bekannt und doch harzt die Umsetzung», so Kurt Fehr. Im Jahr 1985 gab es bereits einmal eine kantonale Abstimmung für eine zweite Brücke, die vom Zürcher Stimmvolk deutlich abgelehnt wurde. «Das Städtchen ist im grossen Kanton Zürich oft viel zu wenig präsent», so das Vorstandsmitglied. Dem entgegenwirken will der VUE nun mit einer umfassenden Kampagne: Autokleber für Last- und Personenwagen, Plakate und Balkonhänger in der ganzen Region sollen die Bevölkerung auf das Problem aufmerksam machen und den Druck bei den kantonalen Behörden erhöhen. 

Wohn- und Lebensqualität leidet

Eine ETH-Studie aus dem Jahr 2011 hat ergeben, dass es im Kanton Zürich kaum eine Gemeinde der Grösse von Eglisau mit einer derart hohen Belastung auf einer Ortsdurchfahrt gebe. Die Studie zeigt klar, dass die Kapazitätsgrenze in den Spitzenzeiten überschritten ist und eine Folge davon der tägliche Stau im Unterland zwischen Bülach und Eglisau bis ins Rafzerfeld sei. Denn die Durchgangsstrasse wird auch von einem hohen LKW-Anteil für Kies-, Aushub- und Industriegütertransport vom und ins Rafzerfeld sowie den süddeutschen Raum genutzt.

Der Verein VUE wurde im Jahr 2009 gegründet und setzt sich aus einer parteiübergreifenden Vereinigung von Einwohnerinnen und Einwohnern aus Eglisau und aus einem grossen Teil des Einzugsgebiet der Strassengebiete zwischen Schaffhausen und Bülach zusammen. Zu den Mitgliedern gehören diverse betroffene Gemeinden zwischen Bülach und Schaffhausen. «Unter der Verkehrssituation leiden viele Personen aus dem Kanton Schaffhausen, die in Richtung Zürich pendeln», erklärt Kurt Fehr. Für alle jene wäre die Umfahrung Eglisau eine massive Entlastung. Das Hauptvereinsziel sei es aber, die Wohn- und Lebensqualität im Städtli Eglisau selbst zu verbessern. 

Projekt steht erneut still

Im März 2019 lancierte die Volkswirtschaftsdirektorin des Kantons Zürich, Carmen Walker Späh, einen Brückenwettbewerb. Als Gewinner ging der spanisch-schweizerische Stararchitekt Santiago Calatrava hervor. Die Brücke soll etwa 1,5 Kilometer flussabwärts der aktuellen Autobrücke gebaut werden und geht mit einem Projekt aus Anschlussbauwerken einher. Die Umfahrung würde den Verkehr von Schaffhausen kommend noch vor der Eglisauer Ortseinfahrt rechts am Städtli vorbeilenken. Auf der anderen Rheinuferseite würde die Strasse oberhalb der Bahnlinie entlang am Glattfelder Kreisel vor dem Hardwald wieder anschliessen. 

Die Kosten des ganzen Projekts seien natürlich nicht zu unterschätzen. «Im Vergleich zur ganzen Umfahrung ist die Brücke jedoch der günstigste Teil», so Kurt Fehr. Und die Bevölkerung des Städtlis Eglisau brauche eine Lösung, denn die tägliche Belastung durch Stau und Lärm ist verbunden mit einer reduzierten Verkehrssicherheit. 

Aktuell steht das Projekt aber erneut still: Eine Machbarkeitsstudie mit vier möglichen Varianten über die Zufahrten der geplanten Calatrava-Brücke wurde kürzlich erarbeitet, allerdings bleibt diese vorerst unter Verschluss. Denn es gilt, die Prüfung durch die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) abzuwarten. Das gesamte Projekt liege in einem Gebiet, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) eingetragen ist. «Wir hoffen sehr auf eine positive Rückmeldung durch die ENHK, damit die Projektierung weiter voranschreitet», sagt Kurt Fehr. Dann würde das Projekt auf kantonaler Ebene weiter vorangetrieben werden und anschliessend käme es zu einer Volksabstimmung. «Unser Wunsch ist noch immer, dass das Projekt bis circa 2030 realisiert wird», so das Vorstandsmitglied.

Kurt Fehr ist seit knapp zwei Jahren Mitglied im Verein Umfahrung Eglisau. Der Buchberger und ehemalige Geschäftsführer vertritt den Bereich Wirtschaft im Rafzerfeld. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Lara Gansser, Schaffhausen24