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Politik
04.08.2020

Zwischen Politik und Kuhstall

Die Arbeit auf dem Hof war für den Buchemer Gemeindepräsidenten Rudolf Tappolet stets ein guter Ausgleich zur Politik.
Die Arbeit auf dem Hof war für den Buchemer Gemeindepräsidenten Rudolf Tappolet stets ein guter Ausgleich zur Politik. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Vor 34 Jahren wurde Rudolf Tappolet zum Gemeindepräsidenten von Buch gewählt. Während seiner Amtszeit fand er stets das Gleichgewicht zwischen Politik und Landwirtschaft. Diesen August wird seine Nachfolge geregelt.

«Wer mit Menschen Ziele erreichen will, braucht Geduld,» sagt Rudolf Tappolet über sein Amt als Gemeindepräsident. Der seit 1973 in der Politik tätige Landwirt blickt zufrieden auf seine 34-jährige Amtszeit in Buch zurück. Im August tritt der 78-Jährige zurück und schlägt Martina Jenzer für seine Nachfolge vor. «Dank ihr ist für mich der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gekommen.» 

Vom Kuhstall ins Gemeindehaus

Rudolf Tappolet wuchs in Buch auf und verbrachte sein ganzes Leben im wohl «grünsten Fleck vom Hegau». Von klein auf unterstützte er seinen Vater auf dem Hof, wo er eine grosse Anzahl Rinder hielt und diverse Acker pflegte. Seit kurzem ist der Hof verpachtet, wohnen tut er trotzdem noch auf dem Gelände. «Hier auf dem Land ist die Lebensqualität einfach am höchsten», so Rudolf Tappolet.

Während seiner ganzen Amtszeit gelang es ihm, das richtige Gleichgewicht zwischen Politik und Landwirtschaft zu finden. «Es kam dann schon mal vor, dass ich vom Stall direkt im Gemeindehaus auftauchte», erklärt Rudolf Tappolet. Doch genau durch diese Bevölkerungsnähe gelang es ihm, die Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Einwohner zu erkennen. «Ich denke schon, dass ich akzeptiert wurde, ich wurde ja ziemlich oft gewählt.» Ein ganz besonderes Geschenk der Gemeinde zum 30-Jahr-Jubiläum im Gemeinderat war eine eigene, im Grundbuch eingetragene Strasse: Der Rudolf-Tappolet-Weg. 

Friedlich zusammenleben

Einer der wohl relevantesten Entscheide von Rudolf Tappolet war die Umnutzung des Friedeck-Gebäudes. Das Gebäude war einst ein nicht mehr zeitgemäss geführtes Bubenheim, mittlerweile finden dort bis zu 120 Asylsuchende eine Unterkunft. «Für die Gemeinde war dies vor allem anfangs eine grosse Herausforderung», so der Gemeindepräsident. Er betont, dass das Zusammenleben von Dorfbevölkerung und Asylsuchenden heute sehr friedlich ist. Mittlerweile liegt das Friedeck in der Verantwortung des Kantons.

Besonders prägend für die Amtszeit von Rudolf Tappolet war die Zusammenführung der Schulen des oberen Kantonsteils. «Mir war es wichtig, dass den Kindern aus Buch die bestmögliche Schulbildung ermöglicht wird», so der Politiker. Trotz Widerständen wurde so die Schule in Buch aufgelöst und die Schülerinnen und Schüler von Kindergarten bis Oberstufe besuchen nun die Schulen in Ramsen und Stein am Rhein. «Anfangs hat die Gemeinde sogar einen eigenen Schulbus gekauft», sagt Rudolf Tappolet. Heute ist Buch so gut an den öffentlichen Verkehr angebunden, dass dieser nicht mehr nötig ist. Momentan wohnen in Buch etwa 30 schulpflichtige Kinder.

«Was mich die gesamte Amtszeit begleitet hat, war die Qualität des Trinkwassers», erklärt Rudolf Tappolet weiter. Da nicht genug Trinkwasser zur Verfügung steht, bezieht Buch Trinkwasser von der deutschen Nachbargemeinde Gottmadingen. Den ersten Wasserversorgungsvertrag schloss Rudolf Tappolet vor 25 Jahren ab. «Dieses Jahr muss der Vertrag wieder ausgehandelt und verlängert werden.» Bewusst überlässt er diese Aufgabe seiner Nachfolge.

Alles hat ein Ende

Wie er die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit gefunden hat, kann Rudolf Tappolet nicht sagen: «Für mich war es keine Arbeit, es hat einfach zum Leben gehört.» Der Ort Buch zählt zirka 300 Einwohnerinnen und Einwohner. Den dadurch sehr engen Kontakt zur Bevölkerung hat Rudolf Tappolet stets sehr geschätzt. Und trotz friedlichem Örtchen am Rande des Kantons, komme es gerade bei so engem Zusammenleben auch hin und wieder zu Uneinigkeiten oder Auseinandersetzungen. «Konflikte wurden bei mir in der Stube gelöst», so Tappolet, der für eine offene Kommunikation steht. 

Nach 48 Jahren im Buchemer Gemeinderat und davon 34 Jahren als Gemeindepräsident kann Rudolf Tappolet die Gemeinde in einem guten Zustand übergeben. «Martina Jenzer ist auch Landwirtin und perfekt geeignet für das Amt», berichtet der Politiker. Als Rudolf Tappolet die Gemeinde in den 1980er-Jahren übernahm, war Buch stark überschuldet. Heute steht das Dorf finanziell gut da und ist mit seiner Grenznähe ein beliebter Wohnort. Besonders die Naturnähe mache das Leben in Buch einzigartig. «Das wichtigste für mich ist der Erhalt der hohen Lebensqualität in der Gemeinde», erklärt Rudolf Tappolet, «und dass Buch immer Buch bleibt!»

Lara Gansser, Schaffhausen24
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