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Politik
11.08.2020

Bandixen gibt Amt für Familie auf

Musste sich am Anfang seiner Amtszeit den Respekt der Gegnerinnen und Gegner erkämpfen: Sönke Bandixen in der Steiner Altstadt.
Musste sich am Anfang seiner Amtszeit den Respekt der Gegnerinnen und Gegner erkämpfen: Sönke Bandixen in der Steiner Altstadt. Bild: Yves Keller, Schaffhausen24
Nach vier Jahren im Amt tritt Sönke Bandixen nicht mehr zur Wiederwahl als Steiner Stadtpräsident an. Die erste Hälfte seiner Amtszeit sei ein Chrampf gewesen, unterdessen laufe es gut. Trotzdem will er nun die Prioritäten anders setzen und sich mehr Zeit für seine Familie nehmen.

800 000 Touristinnen und Touristen besuchen jedes Jahr das malerische Städtchen Stein am Rhein. Dieses Jahr sind es wegen Corona deutlich weniger. Eines der Lieblingssujets für das heimische Fotoalbum bleibt aber das Rathaus von Stein am Rhein. Drinnen in diesem altehrwürdigen Gebäude aus dem Jahr 1542 sitzt Stadtpräsident Sönke Bandixen und zieht Bilanz über seine kurze Zeit als Stadtpräsident. Am Anfang sei es streng gewesen, aber er habe es geschafft, mit seinem Team Ruhe ins politische Stein am Rhein zu bringen sowie die Finanzen der Gemeinde zu stabilisieren. Ein gewisser Stolz ist aus seiner Stimme herauszuhören, wenn er über die Veränderungen in der Windler-Stiftung spricht: «Ich bin sehr zufrieden, dass es mir gelungen ist, mitzuhelfen, die Stiftungszweckauslegung der Stiftung so zu erweitern, dass sie heute deutlich mehr Geld sprechen kann, als das die letzten 30 Jahre der Fall war.» Die Stiftung will rund 25 bis 30 Millionen Franken pro Jahr ausschütten. 10 Millionen davon sollen im Städtli selber investiert werden. Seit einiger Zeit sorgt die Stiftung nicht nur dafür, dass die schützenswerten Häuser in der Altstadt erhalten bleiben, sondern sie hat das Ziel, dass die teilweise leer stehenden Gebäude auch wieder zeitgemäss genutzt werden können. Eine Entwicklung, die Sönke Bandixen besonders freudig hervorhebt: «Zu jedem Zeitpunkt meiner Legislatur stand ein Baukran in der Steiner Altstadt.»

Familie hat Vorrang

«In diesen Gassen bin ich aufgewachsen. Hier sagte ich mir in jungen Jahren: ‹Ich will einmal Konzernleiter werden.›» Dieses Ziel setzte Sönke Bandixen in die Tat um, verliess Stein am Rhein und wurde CEO von verschiedenen Firmen. Die Liebe zum Städtchen blieb, und später wuchs der Gedanke in ihm, dass er auch als «CEO» von Stein am Rhein seine gemachten Erfahrungen einbringen könnte. Die Wahl zum Stadtpräsidenten trauten ihm vor vier Jahren indes die wenigsten zu. Umso grösser war die Überraschung, als er in das Amt gewählt wurde, obwohl praktisch alle Ortsparteien gegen ihn waren. «Meine Wahl empfanden etablierte Staaner als Kampfansage», schaut Sönke Bandixen zurück und fügt an, dass es danach zwei Jahre dauerte, bis seine Gegner die Niederlage überwunden hätten. «Wiederholt gaben sie mir zu verstehen, dass sie mir besonders genau auf die Finger schauten. Das war schwierig für mich, und auch meine Mitarbeitenden litten darunter.» Nach zwei Jahren hätte sich die Situation beruhigt. Warum also jetzt, nach all der Energie, die er in den ersten zwei Jahren in das Amt investierte, aufhören? «Wegen der Familie. Ich war mein Leben lang stets engagiert und in leitenden Funktionen tätig. Dabei kam die Familie oftmals zu kurz. Jetzt ist sie an der Reihe.»

Offene Kritik

Auch wenn er nur vier Jahre im Amt war, sei es für ihn eine grosse Genugtuung gewesen, Stein am Rhein durch diese Zeit zu führen: «Irgendwo sonst Gemeindepräsident zu sein, hat mich nicht interessiert. Aber Stapi von Stein am Rhein, einem Städtli mit einer solch reichen Geschichte, das ist eine Ehre!» Trotzdem spart Sönke Bandixen nicht mit Kritik. Nicht nur an seinen Gegnern, sondern auch am Amt selber. Das Stadtpräsidium in Stein am Rhein ist eine 50-Prozent-Stelle. Kaum jemand könne dieser Aufgabe mit einem so geringen Pensum gerecht werden: «Wenn ich meinen Job richtig machen will, arbeite ich an die 100 Prozent. Ich erachte das als unfair. Das Problem ist, dass man mit dieser Ausstattung oft nur besser gestellte und meist wohl ältere Leute findet, die sich dieses Amt quasi als Hobby leisten wollen. Aber für engagierte Jüngere, die auch länger hierbleiben und dazu aus einem vollen Berufsleben wechseln wollen, ist das Amt unattraktiv.» 

Sönke Bandixen sagt, was er denkt, und er ist sich bewusst, dass er sich damit nicht nur Freunde macht. Dann zum Beispiel, wenn er sich über die Politik im Parlament nervt, wo regelmässig über Stellenprozente der Verwaltung debattiert wird: «Führen mit Stellenprozenten ist schlicht falsch und unnütz. Die Aufgaben der städtischen Verwaltung werden von unseren Mitarbeitenden sowie durch eingekaufte Leistungen von Dritten bewältigt. In mehreren Fällen ist es auch effizienter, wenn wir Leistungen von Nachbargemeinden übernehmen, um so die kritische Grösse der eigenen Organisation zu sichern. Was zählt, ist die erzielte Effizienz der erbrachten Gesamtleistung.» 

Nach solchen Sitzungen brauche er jeweils Zeit, um runterzufahren: «Ich gang denn go seckle!» Oft renne er am Morgen in aller Früh auf den Hohenklingen, sagt er und ergänzt, dass der Sport für ihn ein wichtiger Ausgleich zur Politik sei: «Nach einer halben Stunde Rennen ist mein Kopf frei, und ich höre die Vögel pfeifen.» 

In Zukunft dürfte sich Sönke Bandixen vermehrt der singenden Vögel erfreuen. Vor allem will er jetzt aber mehr Zeit für seine Familie. Wo es ihn beruflich hinzieht, wisse er noch nicht, aber: «Die Pflicht ist getan, es lacht die Kür!»

Yves Keller, Schaffhausen24
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