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Gesellschaft
24.11.2020
08.06.2021 11:00 Uhr

Von Rafz nach Fidschi

Ramona Friedli befindet sich seit März auf den Fidschi-Inseln.
Ramona Friedli befindet sich seit März auf den Fidschi-Inseln. Bild: zVg.
Ramona Friedli ist seit März auf den Fidschi-Inseln. Sie wollte als Tauchlehrerin arbeiten, aber die Corona-­Pandemie machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Im vergangenen Winter ging die Reise los: Ramona Friedli aus Rafz machte sich auf den Weg nach Fidschi, um dort als Tauchlehrerin zu arbeiten. In der Schweiz war sie zuvor bei einem Reiseveranstalter tätig, doch es zog sie in die Ferne und vor allem in die faszinierende Unterwasserwelt des Südpazifiks. 2019 liess sie sich zur Tauchlehrerin ausbilden und arbeitete bis im vergangenen Dezember auf den Fidschis. Für etwa drei Monate kam sie zurück in die Schweiz und genoss die Zeit mit Familie und Freunden. Im März zog es sie wieder auf die Fidschi-Inseln, wo sie eine Stelle als Tauchlehrerin in einem Hotel antreten sollte. Sie freute sich auf die Arbeit im Paradies. Doch die Corona-Pandemie machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Fidschi ist coronafrei

Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Grenzen auf den Fidschis geschlossen, der Tourismus blieb aus und von der Botschaft wurden keine Arbeitsvisa mehr ausgestellt. An die Tätigkeit als Tauchlehrerin war für Ramona Friedli also nicht mehr zu denken. Trotzdem entschied sie sich, auf den Fidschi-Inseln zu bleiben. Auf die Frage hin, weshalb sie nicht in die Schweiz zurückkehren wolle, erklärt die 24-Jährige: «Die Rückreise ist wahnsinnig kompliziert und die Preise sind sehr hoch». Die Rückreise würde über Neuseeland, Katar oder Hongkong erfolgen. «Mit diesem Geld bleibe ich lieber länger hier», so die Rafzerin.

Fidschi ist seit Juni coronafrei. Die Grenzen sind immer noch zu und die einzigen Personen, die einreisen dürfen, haben ein Visum, um dort zu leben. Aber auch diese müssen zuerst in Quarantäne. Da die Corona-Lage in der Schweiz momentan viel schlimmer ist und grosse Einschränkungen herrschen, sieht Ramona Friedli keinen Grund, zurückzukehren. «Ich vermisse zwar meine Familie und Freunde wahnsinnig. Wenn ich sonst am Reisen war, wusste ich immer, wann ich sie wiedersehe.» Aber ihre Familie unterstütze sie bei ihrer Entscheidung, auf den Fidschis zu bleiben. «Sie sagten mir, solange es mir hier gut gehe, solle ich auch bleiben», sagt die 24-Jährige.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Während sich in der Schweiz der November momentan mehrheitlich von seiner grauen Seite zeigt, muss Ramona Friedli nur auf ihre Veranda gehen und kann den Blick über den südpazifischen Ozean geniessen. Wenn sie zur Hintertür hinausgeht, befindet sie sich mitten im tropischen Regenwald mit all seiner Vielfalt. «Am Morgen mache ich immer ein Workout oder Yoga. Dann probiere ich mich möglichst zu beschäftigen», sagt sie. «Ich gehe auch viel schnorcheln. Ich habe das Riff direkt vor der Nase. Ich muss den Hügel hinunterlaufen und bin direkt am Strand.» Solche Schnorcheltouren können bei der Wasserratte auch gerne mal zwei Stunden dauern.

Des Weiteren widmet sie sich ihren neugefunden Hobbys wie dem Kochen oder der Fotografie. Da die 24-Jährige von der Unterwasserwelt fasziniert ist, hat es ihr vor allem die Unterwasserfotografie angetan. Damit sie auf den Fidschi-Inseln aber nicht nur in den Tag hineinlebt und finanziell über die Runden kommt, machte sich die 24-Jährige selbstständig. Seit vergangener Woche bietet sie online Yoga-Stunden an. Zudem ist sie gerade am Aufbau einer Webseite, auf der sie eine Mischung aus Onlinereiseführer und Blog über die Südsee und das Tauchen anbieten will.

Zurück zur Normalität

Ramona Friedli lebt mit ihrem Freund in der Ortschaft Savusavu auf der Insel Vanua Levu. Das Leben dort sei viel einfacher. «Wir haben nicht so viel Luxus wie zu Hause», sagt die Rafzerin. Was ihr vor allem gefalle, sei die wunderschöne Natur – die weissen Sandstrände, der blaue Ozean und der tropische Regenwald – sowie der viele Platz. Zudem seien die Leute auf den Inseln sehr angenehm und «nicht so gestresst», erklärt Ramona Friedli mit einem Augenzwinkern. «Die Kultur ist komplett anders. Man darf nicht vergessen, dass es ein Drittweltland ist. Die Bevölkerung hat viele Traditionen. Vor allem der Sonntag ist ihr heilig.»

Die Menschen auf den Fidschis kehren langsam wieder zur Normalität zurück. Seit kurzem finden wieder Turniere, beispielsweise im Rugby oder im Volleyball, statt. Dies erinnere die 24-Jährige sehr an die «Grümpelturniere» in ihrer Heimat. Aber merkbar ist: Dem Land fehlen der Tourismus und das Geld. Was als nächstes ansteht, weiss Ramona Friedli noch nicht. «Es ist sehr schwer zu planen», sagt sie lachend. «Ich warte jetzt mal ab, bis sich die Lage zu Hause beruhigt.» Bis dahin ist die Rafzerin wahrscheinlich mehrheitlich am oder im Ozean anzutreffen.

Nathalie Homberger, Schaffhausen24