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Hydrogeologische Untersuchungen im Ramser Moos

Mit Unterstützung der «Schaffhauser Klimastrategie» und eines «Chance-Projekts» des Bundesamtes für Umwelt wird in den kommenden Monaten der Wasserhaushalt des Ramser Moors analysiert.
Mit Unterstützung der «Schaffhauser Klimastrategie» und eines «Chance-Projekts» des Bundesamtes für Umwelt wird in den kommenden Monaten der Wasserhaushalt des Ramser Moors analysiert. Bild: zVg.
Die kürzlich verabschiedete Klimastrategie ist um eine Massnahme zum Klimaschutz und -anpassung reicher. Dies teilt das Baudepartement des Kantons Schaffhausen mit. Moore, wie das Ramser Moos von nationaler Bedeutung, kommen durch die zunehmende Sommertrockenheit immer häufiger in Bedrängnis. Mit Unterstützung der «Schaffhauser Klimastrategie» und eines «Chance-Projekts» des Bundesamtes für Umwelt wird in den kommenden Monaten der Wasserhaushalt des Moors analysiert. Diese Untersuchungen sollen wertvolle Erkenntnisse bringen um den hydrologischen Moorschutz und die Wassernutzung möglichst in Einklang zu bringen.

In den letzten 15 Jahren ist das Ramser Moos immer häufiger und länger trockengefallen. Dieser Trend wird sich ohne geeignete Massnahmen wohl fortsetzen. Die Klimamodelle prognostizieren auch für Schaffhausen zunehmende Trockenheit und vermehrte Starkniederschläge im Sommer. Dem Moor wird also weniger Wasser zur Verfügung stehen, weil mehr verdunstet und der Boden bei Starkregenereignissen nicht den ganzen Niederschlag aufnehmen kann. Immer häufiger auftretende und längere Trockenzeiten beeinträchtigen die moorspezifische Vegetation, langfristig droht das Moor zu verschwinden.

Moorschutz ist auch Klimaschutz

Intakte Moore sind zentral für den Erhalt einer einzigartigen, seltenen Artenvielfalt und gleichzeitig besonders wichtige, natürliche Kohlenstoffspeicher. Zum Vergleich: Eine 10 Zentimeter mächtige Torfschicht speichert so viel Kohlenstoff wie ein etwa 100-jähriger Wald. Mit einem grossen Unterschied: Was im Wald zum Teil oberirdisch sichtbar ist, versteckt sich beim Moor im Boden. Zudem tragen Moore mit ihren Regulierungs-Ökosystemleistungen massgeblich zur Wasserreinigung und Wasserretention bei. Die Wasserretention ist ein wichtiger Faktor für die Verringerung von Hochwasserrisiken. Fällt ein Moor trocken, entsteht folglich ein mehrfacher Schaden. Neben dem Verschwinden eines wertvollen Ökosystems und dem Verlust einer natürlichen CO2-Senke, wird durch die Trockenfallung des Moorbodens viel CO2 freigesetzt. Klimawirksamer Kohlenstoff, der über viele Jahrzehnte gespeichert war. Massnahmen zum Schutz von intakten Mooren (Natur- und Landschaftsschutz) sind deshalb immer auch Klimaschutz und -anpassung.

Das Ramser Moos – ein Flachmoor von nationaler Bedeutung

Das Hangried Ramser Moos ist das wertvollste, struktur- und artenreichste Flachmoor des Kantons Schaffhausen. Das Flachmoor von nationaler Bedeutung mit einer Grösse von knapp 7 Hektaren besteht aus nassen Kernzonen, wechselfeuchten Übergangszonen und entsprechend unterschiedlichen Vegetationseinheiten. Es ist von grosser Bedeutung für die Nordschweiz. Über 90 Prozent der ursprünglichen Moore wurden drainiert, die übrig gebliebenen sind umso wertvoller. Zudem hat das Ramser Moos eine spezielle hydrogeologische Entstehungsgeschichte (Hangbewegungen) und beheimatet grosse Bestände von national prioritären Arten (unter anderem Wohlriechendem Lauch, Sonnentau, Fettblatt, Natternzunge, Schwalbenwurzenzian).

Das Ramser Moos ist seit 1949 mit einer Dienstbarkeit im Grundbuch zwischen der Einwohnergemeinde Ramsen, dem Kanton Schaffhausen und der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen geschützt. Darin wurde festgehalten: «Der Charakter des Geländes als Gehängesumpf soll bewahrt bleiben. Es dürfen keinerlei Entwässerungen vorgenommen werden».

Im Zuflussbereich des Ramser Moos bestehen seit 1894 kommunale Trinkwasserquellen. Das heute aus den Quellen stammende Trinkwasser wird von der Gemeinde Ramsen als saubere Beimischung zum Grundwasser verwendet. Im Rahmen der anstehenden Sanierung der Fassungen ist der Ersatz von Quell-Leitungen, Kontrollschächten und Brunnenstuben vorgesehen. Um den Wasserhaushalt des Moors nicht zusätzlich zu beanspruchen, gilt es gemäss Bundesverordnung der Flachmoore zu vermeiden, dass sich der Wasserbezug gegenüber heute aus dem Zuströmbereich des Moors vergrössert. Eingriffe in den Untergrund, welche zu einer nachhaltigen Veränderung der Wasserzirkulation im Untergrund führen können sind ebenfalls zu vermeiden.

Hydrogeologische Untersuchungen bringen Licht in den Wasserhaushalt

Mit dem Fortschreiten des Klimawandels werden Nutzungskonflikte weiter zunehmen. Im Ramser Moos ist derzeit nicht klar, ob die Nutzung des Quellwassers und eine ausreichende Wasserversorgung des Moors in Anbetracht der zunehmenden Erwärmung sich gegenseitig beeinflussen. Erst wenn die hydrogeologischen Verhältnisse geklärt sind, kann diese Frage beantwortet werden. Je nach dem sind entsprechende Optimierungs-Massnahmen zu ergreifen.

Kernbohrungen, Sondierungen und Markierversuche sollen helfen, den Wasserhaushalt im Moor und im Bereich der Quellen besser zu charakterisieren. Dafür werden mehrere Beobachtungsstellen eingerichtet; diese sollen auch für ein zukünftiges Monitoring des Moors bezüglich Klimawandel dienen. Zudem soll das Einzugsgebiet des Moors ermittelt werden. Gleichzeitig zu den hydrogeologischen Abklärungen werden die Vegetationsaufnahmen der 90er Jahre wiederholt. Die verschiedenen Vegetationstypen und einzelne Pflanzenarten sind gute Indikatoren für Zonierungen und Veränderungen im Moor, die in einem zukünftigen Monitoring weiterverfolgt werden sollen.

Die ganzheitliche Analyse des Wasserhaushalts im Ramser Moos ist eine erste Massnahme im Rahmen der Klimastrategie zu Mooren als CO2-Senken. Aus den ersten Untersuchungen im Ramser Moos können wertvolle Erkenntnisse für Methodik, hydrologische Optimierungsmassnahmen und Monitoring in Mooren und Anmooren gewonnen werden.

Originalmeldung Baudepartement des Kantons Schaffhausen
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