Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Es gibt dauernd neue Auflagen und Vorschriften. Manchmal fragt man sich, können wir dies auf unserem Betrieb überhaupt umsetzen? So ist man ständigem Druck und vielen schlaflosen Nächten ausgeliefert. Da wundert es einen nicht, dass die Selbstmordrate unter den Landwirten hoch ist. Überlastung, finanzielle Probleme und Scheidungen. Sicher werden verschiedene Hilfen angeboten, aber diesen Schritt zu gehen braucht eine sehr grosse Überwindung.
Man sieht nur an einen Menschen heran, aber nicht in den Menschen hinein.
Die gleiche Frage stelle ich mir auch beim Einkaufen. Braucht es diese Vielfalt wirklich, oder könnte es auch saisonaler gehen? Wäre nicht weniger vielmals mehr und wenn möglich mehrheitlich aus unserem Land. Gute Qualität steht ja bei uns an erster Stelle, das wäre doch was. Es braucht doch an Weihnachten keine Erdbeeren im Laden.
Ein Erlebnis, welches ich mit einer Kassierin hatte, gab mir sehr zu denken. Sie sagte mir beim Einkauf vor Weihnachten, dass die Erdbeeren gerade in Aktion seien. Ich muss sie wohl angeschaut haben, als ob sie direkt vom Mond käme. Sie meinte: «Ist jetzt wohl nicht das, was sie hören wollten…». Ich fragte mich schon, was wäre, wenn wir es einfach nicht kaufen. Ja, wegwerfen ist auch keine Option.
Die Landwirtschaft ist ein nicht immer einfaches Thema. Auf der einen Seite tragen wir zu der Ernährungssicherheit bei in unserem Land, haben aber immer weniger Ackerbaufläche zur Verfügung. Die Einwohnerzahl steigt und steigt. Die Fläche der Schweiz ist aber immer die gleiche. Vor 40 Jahren sagte mein Berufsschullehrer, dass 6 Millionen Einwohner in der Schweiz das Maximum der Gefühle sein werden. Jetzt sind wir bei rund 9 Millionen und Landwirte gibt es immer weniger. Wie und wo endet das?
Die Coronazeit hat uns gezeigt, dass auch wir an unsere Grenzen kommen. Die Regale waren nicht immer gefüllt. Hefe und Mehl waren plötzlich begehrte Produkte. Viele pflanzten Gemüse im Garten oder auf dem Balkon an. Selbstversorgung wurde GROSS geschrieben. Ein Bekannter sagte mir, er habe keine Angst, nichts zum Essen zu haben. Er kenne ja Landwirte und die haben ja immer was zum Essen. Ist alles schon wieder vergessen? Die Regale wieder voll, alles wieder im Überfluss. Haben wir etwas gelernt daraus? Nun haben wir schon drei Jahre Krieg in Europa. Die Naturkatastrophen nehmen zu. Das kann einem wirklich Angst machen.
Ich wünsche mir, dass die Landwirtschaft den Stellenwert behalten kann und wir nicht nur Blumenwiesen pflegen und Rasen mähen. Denn so werden keine Menschen ernährt.
Der Bauer sät, der Wind bewegt das Korn, das später uns ernährt.