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Gesellschaft
03.12.2024

Existenzen vor dem Aus – Hilfe nötig

Carmen und Walter Isler neben einer der Krippen, welche sie an ihrem Stand am Schaffhauser Weihnachtsmarkt vom 7. und 8. Dezember verkaufen werden.
Carmen und Walter Isler neben einer der Krippen, welche sie an ihrem Stand am Schaffhauser Weihnachtsmarkt vom 7. und 8. Dezember verkaufen werden. Bild: Sandro Zoller, Schaffhausen24
Carmen und Walter Isler kennen selbst Bethlehem als geschäftigen Ort. Seit dem Krieg sind die Strassen leer. Am Weihnachtsmarkt bieten sie deshalb von da Olivenholzprodukte an.

«Wir gehörten zu den ersten Touristen, welche nach Corona Bethlehem besucht haben. Die Stadt stand langsam wieder auf eigenen Beinen. Auf aktuellen Aufnahmen sieht man nur ausgestorbene Strassen. Diese Bilder berühren mich sehr fest», sagt die 59-jährige Schaffhauserin Carmen Isler nachdenklich im Gespräch mit dem «Bock». Die ehemalige Katechetin, welche noch heute Gottesdienste durchführt, ist über den einstigen Pfarrer des Pastoralraums, Urs Elsener, mit dem damaligen Tourguide, Samir Baboun, in Kontakt getreten. Sie und ihr Mann wollten die Verhältnisse aus erster Hand erfahren. Seit dem 7. Oktober 2023, dem Beginn des militärischen Konflikts zwischen Israel, der palästinensischen Hamas, und bis zum Waffenstillstand vom 27. November auch mit der libanesischen Hisbollah, bleiben die Touristen Bethlehem fern. Doch genau von diesen sind viele Einwohner, wie etwa die Olivenholzschnitzer, abhängig. Diese zweite Krise, nach so kurzer Zeit, ist für die 105 lokalen Schnitzer, hinter welchen circa 500 Familien stehen, eine kaum stemmbare Herausforderung. 

Es muss geholfen werden

«Jetzt ist es dringlich. Jetzt muss den Menschen vor Ort geholfen werden. Auch damit sie wissen, dass es Leute gibt, die an sie denken», findet der 67-jährige Schaffhauser Walter Isler. Seine Frau fügt hinzu: «Solidarität und Nächstenliebe bedeuten Handeln und nicht nur davon sprechen.» Wichtig sei den beiden auch zu erwähnen, dass hinter ihrem Engagement der soziale und nicht der politische Gedanke stehe.

Sie katholisch, er reformiert, wandten sich beide an die Verantwortlichen ihrer Kirchgemeinden, um ein ökumenisches Hilfspaket zu schnüren. Die katholische Kirche steht den Islers mit ihrem Know-how und der Vorfinanzierung der Produkte zur Seite – mit Frachtkosten und Zoll etwa 6000 Franken. Da die reformierte Kirche, wie jedes Jahr, am Weihnachtsmarkt Kerzen aus Bethlehem anbietet, übernahm sie die Werbung.

«Solidarität und Nächstenliebe bedeuten Handeln und nicht nur davon sprechen.»
Carmen Isler, ehemalige Katechetin, führt heute noch durch Gottesdienste

Erstes Projekt dieser Art

Für beide ist dieses Projekt Neuland. «Ich engagiere mich in der Kirche und nahm als Jugendlicher an der Bettagsaktion teil. Die Grössenordnung des aktuellen Projekts ist dann doch noch was anderes», sagt Walter Isler lächelnd. Trotz «learning by doing», den geografischen Hürden und der kurzfristigen Entscheidung für einen Stand am Weihnachtsmarkt vom 7. und 8. Dezember beim Münster Allerheiligen, ergab sich alles zu ihrer Zufriedenheit. «Wir hatten Glück, es zog sich ein Standbetreiber zurück. Normalerweise muss man das Gesuch bereits im September einreichen», so Carmen Isler sichtlich erleichtert.

Eine «kleine» Herausforderung sei die Wahl aus drei Katalogen und unzähligen Seiten voll mit Figuren, Anhänger, Krippen und Küchenutensilien gewesen. «Wir sind nicht von Haus aus Händler oder Verkäufer. Das stundenlange Abwägen, was die Schaffhauser interessieren könnte, war eine neue Erfahrung», resümiert Walter Isler, der selbst gerne drechselt und Möbel schreinert.

Handwerkskunst seit Generationen

Ein Olivenholzschnitzer in Bethlehem ist Elias Jaraiseh, Vater von fünf Kindern. Bereits im Alter von zehn Jahren trat er in die Fussstapfen seines Vaters. Manche führen das Familienunternehmen bereits in fünfter Generation. In einer Videobotschaft führt er unter anderem sein Handwerk vor: «Das Holz erhalte ich nach der Olivenernte im November. Es muss aber noch zwei Jahre trocknen, damit bei dessen Bearbeitung keine Risse entstehen. Mit einem Stempel wird das gewünschte Motiv auf das Holz gedrückt und dann ausgeschnitten. Das ist alles Handarbeit. Leider gibt es zurzeit keine Aufträge.»

Carmen Isler zerrt ein paar Kisten herbei und zeigt die schlussendlich bestellten und bereits gelieferten Olivenholzgegenstände. Darunter sind Figuren, Engel, Christbaumschmuck, Teelichthalter, «Fidget Toys» und Salatbesteck zu finden. Dazu meint Walter Isler: «Wenn wir alles verkaufen können, erreichen wir die Ausgaben. Darin sind nicht die Stand- und Administrationskosten enthalten. Diese übernehmen wir selbst.» Das Ziel der katholischen Kirche sei es, die Einnahmen wieder in ein soziales Projekt zu investieren.

Sandro Zoller, Schaffhausen24
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