«Wir gehörten zu den ersten Touristen, welche nach Corona Bethlehem besucht haben. Die Stadt stand langsam wieder auf eigenen Beinen. Auf aktuellen Aufnahmen sieht man nur ausgestorbene Strassen. Diese Bilder berühren mich sehr fest», sagt die 59-jährige Schaffhauserin Carmen Isler nachdenklich im Gespräch mit dem «Bock». Die ehemalige Katechetin, welche noch heute Gottesdienste durchführt, ist über den einstigen Pfarrer des Pastoralraums, Urs Elsener, mit dem damaligen Tourguide, Samir Baboun, in Kontakt getreten. Sie und ihr Mann wollten die Verhältnisse aus erster Hand erfahren. Seit dem 7. Oktober 2023, dem Beginn des militärischen Konflikts zwischen Israel, der palästinensischen Hamas, und bis zum Waffenstillstand vom 27. November auch mit der libanesischen Hisbollah, bleiben die Touristen Bethlehem fern. Doch genau von diesen sind viele Einwohner, wie etwa die Olivenholzschnitzer, abhängig. Diese zweite Krise, nach so kurzer Zeit, ist für die 105 lokalen Schnitzer, hinter welchen circa 500 Familien stehen, eine kaum stemmbare Herausforderung.
Es muss geholfen werden
«Jetzt ist es dringlich. Jetzt muss den Menschen vor Ort geholfen werden. Auch damit sie wissen, dass es Leute gibt, die an sie denken», findet der 67-jährige Schaffhauser Walter Isler. Seine Frau fügt hinzu: «Solidarität und Nächstenliebe bedeuten Handeln und nicht nur davon sprechen.» Wichtig sei den beiden auch zu erwähnen, dass hinter ihrem Engagement der soziale und nicht der politische Gedanke stehe.
Sie katholisch, er reformiert, wandten sich beide an die Verantwortlichen ihrer Kirchgemeinden, um ein ökumenisches Hilfspaket zu schnüren. Die katholische Kirche steht den Islers mit ihrem Know-how und der Vorfinanzierung der Produkte zur Seite – mit Frachtkosten und Zoll etwa 6000 Franken. Da die reformierte Kirche, wie jedes Jahr, am Weihnachtsmarkt Kerzen aus Bethlehem anbietet, übernahm sie die Werbung.