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Laufsport
03.10.2022
03.10.2022 17:24 Uhr

«Ich habe jeden Kilometer genossen»

Daria Riekmann beim Zieleinlauf auf dem Fronwagplatz in Schaffhausen.
Daria Riekmann beim Zieleinlauf auf dem Fronwagplatz in Schaffhausen. Bild: zVg.
100 Kilometer von Basel nach Schaffhausen: Diese Herausforderung meisterte die Ultra-Läuferin Daria Riekmann am Samstag. Hinter dem Projekt steckt mehr als eine sportliche Höchstleistung – sie sammelte Spenden für MS-Betroffene.

Am Samstagmorgen um 5 Uhr fiel der Startschuss zu einem ganz besonderen Projekt: Daria Riekmann machte sich von Basel auf den Weg nach Schaffhausen – zu Fuss. Um 17.30 Uhr erreichte die passionierte Ultra-Läuferin den Fronwagplatz, das Ziel in ihrer Heimat Schaffhausen. Der Zieleinlauf war geprägt von Erschöpfung und Emotionen. «Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich es geschafft habe», so Daria Riekmann. 

Denn hinter dem Projekt steckt weit mehr als eine sportliche Herausforderung: Daria Riekmann sammelte Spenden für Betroffene der unheilbaren Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS). Für sie hat das eine besondere Bedeutung, da auch ihr Bruder an der Krankheit leidet. 

Rund 4000 Franken gesammelt

Daria Riekmann ist im Kanton Schaffhausen aufgewachsen und lebte viele Jahre im Chläggi, bevor sie nach Basel zog. Daher auch der Name «Home run» (Heimrennen), sie lief von der neuen Heimat in die alte Heimat. Am 1. September lancierte die Läuferin ein Crowdfunding, bei dem sie öffentlich über ihr Projekt berichtete und insgesamt rund 4000 Franken sammelte. «Anfangs rechnete ich mit 1000 Franken. Dass es nun viermal so viel sind, freut mich sehr. Ich war überwältigt, wie viele Spenden Tag für Tag reinkamen.»

Wie es überhaupt zu der Idee kam? «Ich wollte einmal in meinem Leben eine dreistellige Kilometerzahl laufen», berichtet die erfahrene Ultra-Läuferin. Normalerweise sei sie vor allem in den Bergen unterwegs, zuletzt absolvierte sie den Eiger-Ultra-Trail (51 Kilometer und 3000 Höhenmeter). «Vor allem aufgrund der Landschaft bin ich eigentlich lieber in den Bergen unterwegs. Was mich aber selbst überraschte: Ich habe die Strecke Basel-Schaffhausen aus einem ganz anderen Blickwinkel gesehen und viele landschaftlich schöne Abschnitte erkannt.»

Da sie aufgrund der MS-Erkrankung ihres Bruders einen persönlichen Bezug zu der Nervenkrankheit hat, entschied sich Daria Riekmann für die MS Stiftung Schweiz zu sammeln. «Mein Ziel war es, auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Und das funktioniert einfach besser mit einem verrückten Projekt», so Daria Riekmann. Zugleich soll die Aufmerksamkeit auch auf die Angehörigen gelenkt werden, die oftmals genauso leiden. 

Das Regen-Rennen

Wie sich Daria Riekmann auf den 100-Kilometer-Lauf vorbereitete? «Meine Wochen umfassten durch das Training für den Eiger-Ultra viele lange, ausdauernde Einheiten und regelmässiges Stabi-Training», erzählt sie. Dementsprechend sei die Vorbereitung für den «Home run» gegeben gewesen. «Es waren aber definitiv harte Trainingswochen.»

Am Lauftag selbst galt es: Nicht zu schnell starten, um am Ende noch genug Energie zu haben. «Etwa 30 Kilometer lief ich ganz alleine, sonst hatte ich stets Unterstützung.» Neben unterschiedlichen Lauf- und Velobegleitungen war ein Supportfahrzeug dabei. Dies vereinfachte die Streckenverpflegung – insgesamt fünfmal hielt Daria Riekmann an und verpflegte sich mit Salzkartoffeln, Tortellini, Schokolade sowie ausreichend Wasser. «Auch wenn es den ganzen Tag regnete und ich in der Hälfte Magenprobleme bekam – ich habe jeden einzelnen Kilometer genossen.»

Emotionaler Zieleinlauf

«Das Schönste ist, dass ich mein Ziel gemeinsam mit so vielen Beteiligten erreichen konnte», so Daria Riekmann. Der krönende Abschluss war ein emotionaler Zieleinlauf am Samstagabend. Familie, Freunde und Vertreterinnen der MS-Stiftung hiessen die stolze Läuferin auf dem Fronwagplatz mit tosendem Applaus willkommen. «Die grösste Überraschung war, dass auch mein Bruder im Ziel war, der eigentlich auf Europareise ist.»

Über 12 Stunden war Daria Riekmann (r.) von Basel nach Schaffhausen unterwegs. Bild: zVg.
Über 12 Stunden war Daria Riekmann (r.) von Basel nach Schaffhausen unterwegs. Bild: zVg.
Lara Gansser, Schaffhausen24