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Rafzerfeld
27.06.2022

Sieben auf einen Streich

Bei Annahme ist das Forstrevier mit 1630 Hektaren das grösste im Kanton Zürich.
Bei Annahme ist das Forstrevier mit 1630 Hektaren das grösste im Kanton Zürich. Bild: Daniel Lehmann, Schaffhausen24
Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der fünf Rafzerfelder Gemeinden sowie Rüdlingen und Buchberg befinden demnächst über die Zusammenlegung ihrer Forstreviere. Die Behörden erwarten dadurch eine effizientere Waldpflege.

«Die Zusammenlegung der Forstreviere wird in Zukunft die Ansprüche aller Bevölkerungsgruppen an den Wald noch besser befriedigen», sagt der 26-jährige Caspar Briner an einem heissen Mittag in der Forsthütte Wil. Er ist Gemeinderat in Wil und zuständig für Forst- und Landwirtschaft.

Das Projekt 

Im Jahre 2018 sitzen die Präsidenten der Rafzerfelder Gemeinden – Eglisau, Wasterkingen, Hüntwangen, Wil und Rafz –zusammen und besprechen die Bewirtschaftung des Waldes. Sie beauftragen alle ihre Forstvorstände, als Projektgruppe unter Leitung von Caspar Briner ein Konzept über den Zusammenschluss der heutigen Forstreviere zu erstellen. Von Anfang an war klar, dass auch Rüdlingen und Buchberg mitwirken. Neben Unterstützung durch die Gemeindeförster und die Kreisförster der Kantone Schaffhausen und Zürich wird das Projekt von einer externen Beratungsfirma begleitet. Nach drei Jahren Arbeit ist es so weit: eine abstimmungsreife Vorlage über die Zusammenlegung der bisherigen Forstreviere ist nun zum zweiten Mal vorgeprüft. Läuft alles nach Plan, werden in diesem Herbst die beiden Gemeinden Buchberg und Rüdlingen an den Gemeindeversammlungen den Antrag auf Zusammenlegung ihrer heutigen Forstreviere zur Abstimmung bringen, die fünf Zürcher Gemeinden ihre Beschlüsse zu Beginn des nächsten Jahres an der Urne fassen. Da das geplante Forstrevier Gebiete in den Kantonen Zürich und Schaffhausen umfasst, braucht es zwischen den beiden Kantonen einen Staatsvertrag. Nach Caspar Briner sind dadurch aus heutiger Sicht keine zusätzlichen Hürden zu befürchten.

Schlanke und wirksame Strukturen

Vorgesehen ist, das neue Forstrevier als Interkommunale Anstalt (IKA) mit eigener Rechtspersönlichkeit zu errichten. «Heute gibt es bei der Verwaltung der Forstreviere viele Doppelspurigkeiten. In Zukunft werden die Strukturen schlanker, damit auch effizienter», sagt Caspar Briner. Mit einem Förster, dem Stellvertreter, mehreren Forstwarten und Lehrlingen wird der Wald bewirtschaftet. Bei der Frage, ob es zu Kündigungen kommt, winkt Caspar Briner vehement ab: «Es werden alle heute angestellten Personen ihre Stelle behalten». 

Caspar Briner aus Wil sieht das geplante Revier als nachhaltiges Dienstleistungszentrum für Bevölkerung und Wald. Bild: Daniel Lehmann, Schaffhausen24

Sinnvolle Grösse

Wie Caspar Briner festhält, ermöglicht das geplante Forstrevier mit seiner Grösse von insgesamt 1630 Hektaren sowohl eine betriebswirtschaftliche wie auch ökologisch günstige Führung. «Der Maschinenpark wird bei dieser Grösse genügend ausgelastet, das Forstteam hat Kapazität, auch den privaten Waldeigentümern die verlangten Dienstleistungen anzubieten». Damit werde für die Trägergemeinden die Bewirtschaftung ihres Waldes kostengünstig.  Zudem dürften nach heutigen Sicherheitsvorgaben alle wesentlichen Forstarbeiten nur noch im Dreierteam ausgeführt werden, was bei Forstrevieren, die im Einmannbetrieb geführt werden, nicht möglich ist. 

Die Waldbewirtschaftung muss langfristig die Aufgaben des Waldes als Nutz-, Erholungs- und Schutzwald sicherstellen, erklärt Caspar Briner. Ein Revier dieser Grösse sei auch ein verlässlicher Partner in der Kette des Holzabsatzes. «Mit einer fundierten Betriebsführung sind wir je nach Marktnachfrage in der Lage, gefragte Holzprodukte bei Industrie- und Energieholz anzubieten», sagt Caspar Briner weiter.

Positive Beurteilung

Auch die beiden angefragten Gemeindepräsidenten sehen das Konzept sachlich und gemeindepolitisch als richtigen Schritt. Für Urs Rüegg, Gemeindepräsident von Wil, stellt die geplante Forstzusammenlegung ein Signal für Zusammenarbeit auch in weiteren Bereichen dar. «Für kleinere Gemeinden bieten solche Kooperationen ein Instrument zur gemeinsamen Bewältigung grosser Aufgaben», sagt er.  Für Martin Kern, Präsident der Gemeinde Rüdlingen, ist klar:  «Das Konzept sichert uns als kleinster Gemeinde im Verbund mit dem vorgesehenen Kopfstimmrecht eine angemessene Mitsprache. Gleichzeitig werden wir Teil einer professionellen Waldbewirtschaftung».

Im Moment ist auf Behördenebene keine Kritik zur geplanten Zusammenlegung auszumachen. Ob sich dies im Vorfeld der Volksentscheide ändert, bleibt abzuwarten.

Caspar Briner jedenfalls ist zuversichtlich, dass das Projekt von der Stimmbevölkerung angenommen wird. «Schliesslich geht es darum, dass wir Sorge tragen zu einer unserer wichtigsten natürlichen Ressourcen, dem Wald».

Daniel Lehmann, Schaffhausen24