Im Silver Ox wird aktuell fleissig getüftelt. Seit dem 1. November wohnt die 27-jährige Chiara Marty in der dortigen 100-Day Challenge-Wohnung, die im ehemaligen Gasthaus Ochsen in Wagenhausen untergebracht ist. Insgesamt 100 Tage hat Chiara Marty Zeit, an ihrer Idee für mehr Nachvollziehbarkeit in der Lieferkette von Textilien zu arbeiten. Der «Bock» besuchte die kreative Projektinitiantin am 87. Tag.
Chiara Marty stammt aus dem Bündnerland. Nach der Kanti absolvierte sie eine Lehre zur Bekleidungsgestalterin und hängte ein Bachelorstudium in Material- und Verfahrenstechnik an. «Ich wusste schon länger, dass ich etwas eigenes machen will», so Chiara Marty. Von einer Kollegin erfuhr sie von der 100-Day Challenge. «Es passte zeitlich optimal. Ich hatte das Studium abgeschlossen und wollte an meiner Idee arbeiten.» Anfang November war es dann so weit: Chiara Marty bezog ihre Wohnung im Silver Ox in Wagenhausen.
Austausch zwischen Generationen
Ein wichtiger Teil der 100-Day Challenge ist der regelmässige Austausch mit den Silvers, den erfahrenen Bewohnerinnen und Bewohnern des Silver Ox. Mindestens jede zweite Woche trifft sich Chiara Marty zum Austausch mit den acht Silvers. Sechs davon sind bereits pensioniert, deshalb kann sie auch zwischendurch auf die Erfahrung und Unterstützung ihrer aktuellen Nachbarn zählen. «Es motiviert mich sehr, dass sie mich auf dem Weg begleiten. Sie haben viele wichtige Ideen und grosse Netzwerke.»
Die Frage nach ihrem Tagesablauf kann Chiara Marty nur schwer beantworten. «Das kommt ganz darauf an. So strukturiert wie am Anfang bin ich nicht mehr», gibt die 27-Jährige zu. Trotzdem steht sie jeden Morgen früh auf, um von ihrer Wohnung in die Arbeitsräume zu wechseln.
Klartext bei Textilien
Unter dem Namen «KLARTEXTil» will Chiara Marty eine Plattform aufbauen, auf der die Konsumentinnen und Konsumenten besser nachvollziehen können, wo ihre Kleidung herkommt. «Als ich in der Schneiderei arbeitete, wurde mir klar, dass das Nähen nur ein Arbeitsschritt von ganz vielen ist. Ich überlegte, wie viele Prozesse es bereits bis zur Anlieferung des Stoffes geben muss.» Dass es sich um ein sehr komplexes Thema handelt, weiss Chiara Marty. Anfangs zielte ihr Projekt auf die Wissensvermittlung ab, doch bald merkte sie, dass Wissen allein nicht ausreicht, um für mehr Transparenz in der Branche zu sorgen. «Sowohl die Läden und Labels als auch die Konsumentinnen und Konsumenten brauchen einen Mehrwert – etwas, dass sie dafür bekommen, wenn sie mitmachen.»
Somit entschied sich die 27-Jährige dafür, dass die Plattform eine Gemeinschaft für Läden und Labels werden soll. Aktuell ist sie auf der Suche nach Läden, die an den kommenden Pilotprojekten teilnehmen werden. «Gemeinsam soll dann erarbeitet werden, welche Werte in Bezug auf Nachhaltigkeit wichtig sind.»